Bermudadreieck Bochum

BochumNirgendwo in Deutschland ist die Kneipendichte so hoch wie im Bermudadreieck in der Bochumer City. Auf wenigen Metern konkurrieren 50 Kneipen mit 8.000 Sitzplätzen um die Gäste. Im Sommer locken die vielen Cafés mit ihren Plätzen im Freien Besucher aus dem gesamten Ruhrgebiet. Nicht eine historische Sehenswürdigkeit, sondern das Szeneviertel ist das Aushängeschild Bochums.

Bis es so weit war, dauerte es aber einige Jahrzehnte. In den 50er- und 60er-Jahren war das Viertel nämlich alles andere als vorzeigbar. Striptease-Bars reihten sich an zweifelhafte Bars und Kinos, in denen Reihen wie „Schwedinnen in Oberbayern“ oder „Schulmädchenreport“ noch zu den harmloseren gehörten. Das heutige Bermudadreieck war halt ein typisches Bahnhofsviertel. Nur ohne Bahnhof, denn der war nach dem Zweiten Weltkrieg an eine andere Stelle verlegt worden.

Hippies legen Grundstein für Bermudadreieck

Der Wandel des Viertels begann mit dem Aufkommen der Studentenbewegung in den 60ern, schildert der Stadtplaner Arnold Voß die Entwicklung in seiner über 60-seitigen Story des Bermudadreiecks. Danach stießen die vornehmlich langhaarigen Studenten, die im Viertel ein Kulturzentrum gründeten, auf erbitterten Widerstand des Bochumer Establishments. Zu den Stammgästen zählten Schauspieler wie Claude Oliver Rudolph, Martin Semmelrogge, Ralph Richter oder der Intendant des Schauspielhauses Claus Peymann. Der Club entwickelte sich zur Keimzelle des heutigen Bermudadreiecks und lockte zunehmend auch Studenten der neu gegründeten Ruhr-Universität an.

Die Kneipenmeile im Ruhrgebiet

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Erster Boom in den 80er-Jahren

Der wirkliche Boom des Viertels setzte aber erst in den 80er-Jahren ein als Bochum sich zum Zentrum der New-Wave-Szene entwickelte. Wer die neue Musik hören wollte, fuhr aus den dem ganzen Land nach Bochum. In die Zeche, in die Dark-Wave-Disco Zwischenfall oder ins Logo, das fußläufig zum Bermunda3Eck liegt. Vor der Disco ging’s in die Kneipen des Dreiecks. Und manch einer schaffte es danach nicht mehr wirklich in einen Club. Gleichzeitig siedelten sich rund ums Viertel die Szenemagazine Coolibri, Marabo und der späteren Prinz (damals: Guckloch) an, die mit ihrer Berichterstattung den Ruf des Partyviertels ins Ruhrgebiet trugen.

Mittlerweile heißt sogar die U-Bahn-Station so wie das Kneipenviertel

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Woher der Name stammt

Aus dieser Zeit stammt auch die Bezeichnung „Bermudadreieck“, der auf die Form des Viertels anspielt. Das Viertel zwischen Südring, Viktoriastraße und Konrad-Adenauer-Platz sieht von oben wie ein Dreieck aus. Offiziell wurde der Begriff erstmals in einem der Szenemagazine genannt. Allerdings war der Begriff unter Bochumern schon vorher gebräuchlich.

Das Geheimnis des Erfolgs

Das Geheimnis des Erfolges liegt wohl in zwei Faktoren begründet: Zum einen unterschieden sich die Kneipen und Cafés zwar in ihrer Ausrichtung auf bestimmte Zielgruppen, sie (und die dazu gehörenden Immobilien) gehören jedoch nur wenigen Besitzern. So besitzt die Logos-Gruppe beispielsweise mit dem Café Sachs, dem Tucholsky, dem Three Sixty, dem Mississippi, dem Pasta, dem Sausalitos und dem Sticks gleich sieben Objekte im Viertel. Der zweite Faktor: In Bochum hat das Ordnungsamt immer mitgespielt, selbst als das Rauchverbot strenger wurde, hat es beide Augen zugedrückt. Die Stadt hat die Gastronomie als Wirtschaftsfaktor und wichtiges PR-Instrument für Bochum begriffen. Das unterschiedet sie beispielsweise von Dortmund, die einem vergleichbaren Viertel, dem Ostwall-Viertel, nach Beschwerden der Nachbarn nicht zur Seite gestanden hat.

Bei Spielen des VfL Bochum treffen sich hier die Fans zum Bier

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80 Kneipen, Restaurants und Bars

Heute machen im und ums Viertel rund 80 Kneipen, Restaurants, Bars und Clubs Geschäfte. In den vergangenen Jahren haben zunehmend Konzerne wie die Extrablatt-Kette oder das Alex das Viertel entdeckt. Trotzdem findet jede Zielgruppe hier nach wie vor ihr Lokal. An schönen Wochenendtagen vertreiben sich bis zu 30.000 Gäste hier den Abend. Zu den Höhepunkten gehört auch das einmal jährlich stattfindende Musikfestival „Bochum Total“, das auf allen Straßen im und ums Dreieck stattfindet und über eine Million Besucher in die Bochumer City lockt.

Text/Fotos/Nachbearbeitung (c) Michael Westerhoff

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