Der Sonnentempel – das bunte Schloss in Bayreuth

Das neue Schloss

Das neue Schloss

Schlösser gibt es einige in Bayreuth – zur Verwirrung von Touristen tragen sie auch noch dieselben Namen. So gibt es zwei alte Schlösser und zwei neue Schlösser. Der Sonnentempel ist eins der beiden neuen Schlösser.

Der Sonnentempel beeindruckt durch die reichhaltigen Verzierungen und unzähligen bunten Steinen an der Fassade (siehe Bild unten). Es handelt sich um eine halbrunde Anlage, die dem Sonnengott Apoll gedwidmet wurde. Daher der Name „Sonnentempel“.

Säulen am neuen Schloss

Das neue Schloss liegt, wie es der Name vermuten lässt, neben dem alten Schloss in der Eremitage, einer Parkanlage etwas außerhalb von Bayreuth. 1750 ließ Markgräfin Wilhelmine ein Heckenlabyrinth abreissen und an seiner Stelle den Sonnentempel errichten. Es soll sich um den Palast Apolls im Himmel handeln. Symbolisch versteht sich.

Wilhelmine war die Tochter des preußischen Soldatenkönigs Friedrich-Wilhelm I. und Schwester von Friedrich II. (Friedrich, der Große). Sie wurde mit dem Erbprinzen des Fürstentums Bayreuth verheiratet. Durch sie hielt die Moderne Einzug nach Oberfranken. Wilhelmine ließ auch das Markgräfliche Opernhaus erbauen, in dem Richard Wagner ursprünglich seine Festspiele abhalten wollte bevor er sich für den Bau eines eigenen Festspielhauses entschied.

Goldene Figuren am Schloss

Goldene Figuren am Schloss

Das Neue Schloss beeindruckt durch die bunten Steine und Bergkristalle. Eine Anspielung auf Apolls Palast, der ebenfalls aus Kristallen bestanden haben soll. Auch die Innenräume sollen prunkvoll ausgestattet gewesen sein. Sie wurden jedoch bei einem Bombenangriff der Amerikaner im April 1945 komplett zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Vorbild für den Bau soll ein Bühnenbild einer Theaterarchitektin gewesen sein. Wilhelmine, die selber komponierte,  galt als große Förderin der Kunst. Mit ihrem Bruder tauschte sie sich 30 Jahre lang in Briefen über Kunst und Musik aus. Der französische Philosoph Voltaire war längere Zeit bei ihr in Bayreuth zu Gast.

Das neue Schloss in der Eremitage

Das neue Schloss in der Eremitage

Wilhelmine hatte eine Tochter (Friederike), die Giacomo Casanova als schönstes deutsches Mädchen bezeichnete. Die Markgräfin verstarb 1758 mit nur 49 Jahren. Zehn Jahre später widmete ihr Bruder Friedrich II. ihr den Freundschaftstempel auf seinem Schloss Sanssouci in Potsdam. In Erinnerung an Wilhelmine vergibt die Stadt Bayreuth seit 2008 einen Preis für kulturelle Vielfalt. Zu den Preisträgern gehören unter anderem Stardirigent Daniel Barenboim und Politiker Klaus Töpfer.

Text/Fotos/Nachbearbeitung (c) Michael Westerhoff

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