Die Mauer, Hasselhoff und Looking for Freedom

East Side Gallery

East Side Gallery

David Hasselhoff glaubt wahrscheinlich noch heute, dass er die Berliner Mauer zu Fall gebracht hat. Auch deshalb kam er Anfang 2013 nach Berlin, um gegen den Abriss der East Side Gallery zu protestieren. Es ist das letzte zusammenhängende erhaltende Stück Mauer in Berlin. Aber was hat „Looking for Freedom“ eigentlich mit der Mauer zu tun?

Die Empörung ist groß als ein Investor beginnt, ein Stück der Mauer einzureißen. Hier, direkt an der Spree, will er 36 Eigentumswohnungen errichten. Mit Blick auf Friedrichshain, die O2-Arena und Kreuzberg. Spontan versammeln sich hunderte Menschen und protestieren gegen den Abriss. Bürgermeister Wowereit, dessen Verwaltung die Genehmigung ausgesprochen hat, taucht ab, David Hasselhoff mit Mikro und Verstärker dagegen auf.

Im Grunde war es Zufall, dass Hasselhoffs „Looking for Freedom“ ausgerechnet 1989 pünktlich zur friedlichen Revolution in der DDR veröffentlicht wurde. Produzent Jack White suchte Lieder für den Star aus Knight Rider und stieß bei sich selber auf den richtigen Stoff: Looking for Freedom. 1978 hatte er den Schlager schon einmal ziemlich erfolglos auf den Markt geworfen. Gesungen von einem gewissen Marc Seaberg, der in den 60ern in einigen Beatbands aktiv war. Ein Megaflop.

Immerhin die deutsche Version „Auf der Straße nach Süden“ von Tony Marshall erreicht die Charts. Platz 41 im Jahr 1978. Danach gerät das Lied in Vergessenheit. Bis White es für Hasselhoff wieder ausgräbt. Tatsächlich trifft es, wenn auch aus Zufall, den Zeitgeist. „Looking for Freedom“ wird zum erfolgreichsten Hit des Jahres 1989. Acht Wochen auf der 1, ein halbes Jahr in der Single-Hitparade, auch in Österreich und der Schweiz erreicht Hasselhoff Platz 1.

Das letzte Stück Mauer an der East Side Gallery

Das letzte Stück Mauer an der East Side Gallery

Der Text hat natürlich nichts mit der deutsch-deutschen Trennung und der Sehnsucht nach Freiheit der Menschen in Ostdeutschland zu tun. Es geht um einen jungen Mann aus reichem Elternhaus, der von zu Hause abhaut, um sich mit Gelegenheitsjobs durchzuschlagen, um so seine Freiheit zu finden. Was ihm bis zum Ende des Liedes allerdings nicht gelingt.

Text/Fotos/Nachbearbeitung (c) Michael Westerhoff

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