Expedition in den Urwald am Amazonas

Ein Seitenarm des Amazonas

Ein Seitenarm des Amazonas

Lodges mitten im Urwald ermöglichen auch Mitteleuropäern eine Expedition in den Urwald. Abseits von Handynetzen und Zivilisation können Touristen die ganze Schönheit des Dschungels genießen.

Die Anreise ist nicht ganz unkompliziert. Von der Urwald-Metropole Manaus geht es erstmal mit dem Bus zum Hafen, von dort steige ich auf ein Schnellboot, danach wieder in einen Bulli und dann geht es nochmal eine gute Stunde mit dem Boot rein in den Urwald. Die Anreise ist bereits Teil des Abenteuers.

Am Hafen in Manaus startet die Tour in den Urwald

Am Hafen in Manaus startet die Tour in den Urwald

Zweieinhalb Stunden später lande ich auf der Amazon Turtle Lodge. Mitten im Dschungel. Eine Ansammlung kleiner Hütten. Luxus? Fehlanzeige. Ein leicht klammes Bett (wegen der hohen Luftfeuchtigkeit) erwartet mich in meiner Holzhütte. Über dem Bett: Ein Moskito-Netz gegen den Angriff aggressiver Mücken. Warmwasser gibt es keins. Morgens im Urwald kann es frisch sein. Mit kaltem Wasser zu duschen, nicht ganz so angenehm. Immerhin: Strom für Kamera, Handy (das hier aber kein Netz findet), Föhn etc. gibt es.

Ein Bulli am Amazonas in Brasilien

Mit dem Bulli geht es zur Amazonas-Lodge in Brasilien

Die Lodges organisieren für ihre Gäste Expeditionen in den Urwald. Eduardo, ein deutschstämmiger Brasilianer, der seit 40 Jahren in Manaus lebt, bringt mich mit einem kleinen Boot mitten in den Urwald. Außer Bäumen gibt es eigentlich wenig zu sehen. Wie sich die im ruhigen Wasser des Rio Negro – Seitenarms spiegeln, ist allerdings schwer beeindruckend. Hin und wieder hören wir die lauten Rufe von Affen, aus dem Wasser springen Fische.

Die Hütten in der Amazonas Turtle Lodge

Die Hütten in der Amazonas Turtle Lodge

Einen Tag später. Um 5 Uhr klingelt der Wecker. Nicht so schlimm. Abends gab es ohnehin nichts zu tun auf der Lodge, auf der neben mir noch vier andere Gäste übernachten. Um 18 Uhr wird es dunkel. Und danach gibts eigentlich nur noch zwei Alternative: Früh ins Bett oder ein Buch lesen. Eduardo bringt mich mit dem Boot zu einer Stelle, an der der Sonnenaufgang über dem Amazonas besonders schön zu sehen ist. Untermalt wird das Bild von tausenden Vögeln, die eine laute Geräuschkulisse erzeugen.

Sonnenaufgang am Amazonas

Sonnenaufgang am Amazonas

Vom Boot geht es danach mitten in den Dschungel. Mit der Machete bahnt uns Eduardo den Weg. Im Dschungel am Amazonas wachsen so viele unterschiedliche Bäume wie sonst nirgendwo auf der Welt. Wir kämpfen uns durchs Gebüsch, vorbei an Palmwedeln, die uns den Weg versperren wollen, und an Bäumen, die Eduardo auf ein Alter von 300 Jahren schätzt. Hier ist die Natur noch völlig unberührt.

Der Amazonas

Der Amazonas

So eine Dschungel-Wanderung ist nicht nur ein Vergnügen. Bei 35 Grad Außentemperatur und knapp 100 Prozent Luftfeuchtigkeit läuft mir der Schweiß runter. Zumal wir nur mit langen Klamotten und dicken Wanderschuhen in den Urwald dürfen. Sonst wäre es wegen der Schlangen und Spinnen zu gefährlich. Aber kein Problem. Der Schweißgeruch wird ohnehin vom chemischen Gestank von Anti-Brumm-Spray überdeckt.

Der Urwald ist ein fast undurchdringlicher Dickicht

Der Urwald ist ein fast undurchdringlicher Dickicht

Eduardo fuchtelt mit einem Stock an einem Baumstamm rum. Und plötzlich springt sie hervor: Die erste Vogelspinne, die ich in freier Wildbahn erleben durfte. Eduardo hält das haarige Biest für ungefährlich und nimmt es auf die Hand. Ich verzichte dann mal. Genauso wie auf die Maden, die Eduardo sich anschließend grillt.

Eduardo lockt die Vogelspinne aus ihrem Loch

Eduardo lockt die Vogelspinne aus ihrem Loch

Nach zwei Stunden kreuz und quer durch den Urwald grummelt und grollt es. Flott Richtung Lodge. Der Regenwald macht seinem Namen alle Ehre. Es blitzt und donnert in einer nie erlebten Lautstärke. Blitz und Donner sind zeitlich gefährlich nah beieinander. Nur ein paar Meter entfernt schlägt der Blitz ein. Zwangspause. Bei Regen im Urwald geht nicht mehr viel, so heftig ist der Niederschlag.

Als es wieder trocken ist, nimmt mich Eduardo auf ein weiteres Abenteuer mit: Kaimane gucken. Es ist mittlerweile dunkel geworden. Eduardo steuert das Boot über den dunklen Amazonas und leuchtet dabei mit einer Taschenlampe. Plötzlich blitzen aus dem dunklen Urwald zwei leuchtend rote Augen hervor. Die Augen des Kaiman. Eduardo paddelt leise ans Ufer und schnappt sich mit seinen großen Pranken das Tier.

Ein Kaiman am Amazonas

Ein Kaiman am Amazonas

Der kleine Kaiman ist erstmal so verdutzt, dass er gar nichts mehr macht. Die Taschenlampe tut das Übrige. Sie blendet den armen Kerl so, dass er nichts mehr sieht. Also lässt sich das Tierchen sogar streicheln. Es fühlt sich wie eine Krokodilleder-Tasche an, die man kurz in der Mikrowelle warm gemacht hat. Kaimane und Vögel wie Aras und andere Papageien sind die tierischen Hauptdarsteller im Urwald. Wer mehr Tiere sehen will, ist hier nicht richtig.

Piranha am Angelhaken

Piranha am Angelhaken

Eine Ausnahme natürlich tausende Fischsorten. Allen voran die berühmt-berüchtigten Piranhas. Am nächsten Tag nimmt mich Eduardo mit zum Angel. Er hat ein kleines Seil an einen Holzstock gebunden, vorn dran ein Köder aus Rindfleisch. Mehr braucht es nicht, um die Raubfische zu angeln. Und tatsächlich nach ein paar Minuten beißt auch bei mir der erste Fisch an. Zwei Sorten schwimmen hier durch den Amazonas. Eine rötliche und eine weiße Art. Beide haben eine Menge scharfe Hähnchen. Finger ins Maul stecken? Nicht wirklich empfehlenswert.

Nach vier Tagen geht es wieder zurück in die Zivilisation. Wieder eine Stunde mit dem Boot zum nächsten Anleger, von dort wieder zurück mit Bulli, einem weiteren Schnellboot und dem Bus. Glücklicherweise ist es wieder trocken dauen. Keine Ahnung wie es der Bulli bei Regen über die Schlammstraße schafft.

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang

Die Lodges sind über viele Reiseveranstalter und Hotelportale zu buchen. Ausgangspunkt der Reise ist in der Regel Manaus, das von Deutschland aus nur über Umwege erreichbar ist. Entweder über Sao Paulo oder über Brasilia. Direktflüge gibt es nicht. Die portugiesische Fluggesellschaft TAP, KLM sowie die lateinamerikanische LATAM bieten u.a. Flüge ab Deutschland. Mit mindestens zwei Zwischenstopps.

Die Urwald-Tour im Colorfulcities-Video:

Text/Fotos (c) Michael Westerhoff

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