Flusskreuzfahrt mit Freiheitsberaubung

Das Kreuzfahrt-Schiff President

Die von vielen deutschen Reiseveranstaltern angebotene Flusskreuzfahrt auf dem Jangtse in China ist eine unvergessliche Mischung aus Langeweile, Nötigung und Freiheitsberaubung

Der Spaß beginnt bereits beim Einschiffen auf der President 7. Die Gruppe, mit der ich unterwegs bin, sitzt im Bordrestaurant und wartet auf die Kabinenschlüssel. Bevor die und die zuvor eingesammelten Pässe wieder ausgegeben werden, bittet das Personal die Reisenden erstmal zur Kasse. Plötzlich, unerwartet und in den Reiseunterlagen nicht erwähnt werden 150 Yuan (circa 20 Euro) verlangt. Für Trinkgelder. Diskussion zwecklos.

Balkon ohne Aussicht

Nun gut. Also ab auf die Kabine mit Balkon. Geräumig, etwas muffig, aber was soll es? Alles ok. Wenn da nicht gleich ein weiteres Problem wäre: Der Balkon. Den gibt es. Nur nutzt der wenig. Denn das Flussfahrt-Schiff liegt eingekeilt zwischen anderen Schiffen. Der Blick vom Balkon reicht damit genau bis zur Kabine des Nebenschiffes.

Schlucht am Jangtse – gelegentlich gibt es doch etwas zu sehen

Egal. Ist ja ne Kreuzfahrt mit vier Nächten und drei Tagen auf dem Fluss. So steht es jedenfalls in den Reisekatalogen. Aber das Schiff will und will nicht ablegen. Am nächsten Morgen liegt es immer noch. Am Vormittag gibt erstmal einen kleinen Ausflug zu einem Staudamm. Interessant. Aber wird dieses Schiff jemals ablegen? Nach dem Ende des Ausflugs am Mittag deutet nichts darauf hin.

Freiheitsberaubung an Bord

Nach dem Mittagessen die nächste Überraschung. Wer den kostenpflichtigen Zusatzausflug (umgerechnet rund 50 Euro) nicht bucht, muss an Bord des Schiffes bleiben. Das Boot liegt zwar im Hafen, ein kleiner Spaziergang wäre also eine hübsche Idee, aber am Ausgang des Schiffes haben sich zwei Sicherheitsleute aufgebaut und versperren den Weg nach draußen. Also ab auf die Balkonkabine. Sie wissen schon, die mit dem Blick aufs andere Schiff.

Das Schiff kann fahren!

Immerhin am Abend weiß ich: Das Schiff kann nicht nur im Hafen liegen, es kann sich tatsächlich auf dem Yangtze bewegen. Endlich verlässt das Boot den Hafen. Da sind aber schon 24 Stunden seit der Ankunft an Bord vergangen.

Unverschämte Preise bei Ausflügen

Das Schauspiel an Bord eingesperrt zu sein, wiederholt sich auch auch am zweiten und dritten Nachmittag. Nur noch ein Stück dreister. Das Boot legt genau an den Orten der kostenpflichtigen Zusatzausflüge an. Zum Beispiel in der Geisterstadt Fengdu. Wer die 40 Euro für den Ausflug nicht bezahlt, bleibt an Bord gefangen. Kein Wunder Fengdu ist nur drei Schritte vom Steg entfernt. Und kostet offiziell nur rund 10 Euro Eintritt, nicht 40 wie an Bord verlangt.

Flusskreuzfahrt im Colorfulcities-Video:

Ach ja, gelegentlich fährt die President auch auf dem Yangtze. Vorzugsweise nachts, wenn alle schlafen. Wen das alles nicht stört, der kann die genauen Reisebericht mit dem Zielen im zweiten Teil lesen.

Text/Fotos/Video (c) Michael Westerhoff

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