Hörder Burg – Disneyland oder Legoburg?

Hörder Burg

Hörder Burg

Historische Gebäude, die älter als 200 Jahre sind, muss man im Ruhrgebiet mit der Lupe suchen. Das liegt zum einen daran, dass im Krieg viel zerstört wurde, zum anderen auch daran, dass das Ruhrgebiet vergleichsweise jung ist. Zur Not erklärt man einfach etwas relativ junges als alt.

„Die Hörder Burg ist eins der ältesten Gebäude der Stadt“, verkündet die Dortmunder Wirtschaftsförderung stolz auf ihrer Homepage. Wirklich? Historiker würden Zweifel anmelden. Ja, es gab einmal eine Hörder Burg, sogar schon im 12. jahrhundert. Die hat viel erlebt. Spanische, brandenburgische und französische Truppen haben die Burg belagert. Und die Franzosen haben 1673 sogar einen Brand gelegt. Schwups, war sie weg die Burg. Sie wurde wieder aufgebaut und um 1840 an einen Unternehmer verscheuert.

Der war gleichzeitig der Gründer der Hermannshütte, des ersten Stahlwerks auf dem heutigen Dortmunder Stadtgebiet. Und weil der Unternehmer jener Zeit sich auch als Ablösung des Adels begriff, stand ihm eine Burg nicht schlecht. Die Geschichte kennen wir auch aus Essen. Dort ließen die Krupps ihr Schlösschen, die Villa Hügel, hochziehen. Also baute der Unternehmer ein Türmchen, einen neuen Flügel und ein paar Zinnen an. Schon konnte er sich wie ein mittelalterlicher Ritter auf seiner Burg fühlen.

Hafen am Phoenixsee

Hafen am Phoenixsee

Der Wassergraben kam allerdings erst 2010 hinzu. Damals legte die Stadt Dortmund den künstlichen Phoenix-See (siehe oben) an. Ein Naherholungsgebiet genau dort, wo der Hörder Unternehmer sein Stahlwerk bauen ließ. Das ist inzwischen abgerissen, die Burg steht dagegen noch. Als kleines Schmuckstück am Phoenix-See. Sieht gut aus, also egal wie alt sie ist. Ein bisschen Disneyland kann Dortmund gut gebrauchen. Und mit Legosteinen ließe sich die Burg auch gut nachbauen.

Text/Foto/Nachbearbeitung (c) Michael Westerhoff

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