Köln poppt (und rockt)

Plakatwand in Ehrenfeld

Plakatwand in Ehrenfeld

Jung, hip, lebenswert – Köln ist bei jungen Menschen eine der beliebtesten Städte. Für die hohe Lebensqualität sorgt die lebendige Pop- und Rockszene. Fast alle internationalen Bands machen auf ihren Tourneen hier Station. Häufig in Köln-Ehrenfeld, dem Zentrum der Musikszene.

Dieses Viertel hat schon bessere Zeiten gesehen. Damals in den goldenen 60ern- und 70ern schlug in Ehrenfeld das Herz der Nachkriegsindustrie, doch immer mehr Firmen zogen an den Stadtrand oder machten pleite. Stattdessen zogen Clubs und Musikunternehmen in die Fabrikhallen. Die Live Music Hall, das Underground oder auch das Büro der c/o-Pop.

Köln poppt und rockt

Köln poppt und rockt

Smashing Pumpkins, Lukas Graham, Texas, Jake Bugg, Spear of Destiny – nur einige Musiker und Bands, die 2013 in Ehrenfeld Station machen. In der Live Music, der größeren Halle für bis zu 1800 Zuschauer oder im kleineren Underground, das sich mehr auf die Alternative-Szene konzentriert. Eine Ecke davon entfernt sitzt das 20-köpfige Team, das einmal im Jahr das Festival c/o-Pop organisiert, der Verband der Kölner Clubs, kleinere Promotionagenturen oder Ulis Musik, ein Gitarren-Laden. Alles rund um die ehemalige Helios-Fabrik. Ehrenfeld – das Musikzentrum der ehemaligen Musik-Hauptstadt Köln.

In den goldenen 90ern der Musikindustrie führte kein Weg an Köln vorbei. Die Schallplattenfirma EMI hatte hier ihren Sitz, VIVA sendete Clipshows aus der Stadt, einmal im Jahr kamen tausende Besucher zu Europas Musikmesse Nummer 1, der Popkomm, und 1live sendete das meistgehörte Jugend-Radioprogramm Deutschlands. Geblieben ist nur 1live. Universal übernahm EMI und produziert jetzt in Berlin Musik, VIVA wurde von MTV geschluckt und zog ebenfalls nach Berlin. Und die Popkomm zog erst auch nach Berlin und machte dann ganz dicht.

Ulis Gitarrengeschäft in der Heliosstraße in Köln-Ehrenfeld

Ulis Gitarrengeschäft in der Heliosstraße in Köln-Ehrenfeld

Das Fähnchen der Popmusik halten jetzt Norbert Oberhauser und Tobias Thomas von der c/o-Pop hoch. Das Festival wurde als Reaktion auf den Umzug der Popkomm nach Berlin gegründet. Wir sind Helden und Phoenix haben hier gespielt. 2013 stehen unter anderem Konzerte von Gentleman und Lukas Graham auf dem Programm. Treibende Kraft hinter der c/o-Pop war der damalige Rockbeauftragte von Köln, der unbedingt einen Ersatz für die Popkomm finden wollte. Und ihn mit dem kleinen, aber feinen Festival C/o-Pop fand, das nicht das breite Publikum ansprechen, sondern Trends setzen will.

c/o-Pop-Flatterband

c/o-Pop-Flatterband

Das unterscheidet Köln von vielen anderen Städten in Deutschland. Hier hat Popkultur einen Stellenwert. „Zur Lebensqualität gehört neben Oper und Philharmonie eben auch Pop- und Rockmusik“, erklärt c/o-Pop-Festivalleiter Tobias Thomas: „Köln muss darauf achten, dass die jungen Leute nicht direkt vor dem Studium nach Berlin, Hamburg oder Köln gehen“. Das hat auch die Kölner Lokalpolitik verstanden, deshalb gibt die Stadt alljährlich einen Zuschuss zum Festival.

Text/Fotos/Nachbearbeitung (c) Michael Westerhoff

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