Land ohne Staus: Singapur

Leere Straßen auch zur Stoßzeit

Staus, verstopfte Straßen, Schrittverkehr, hupende Autos – das alles gibt es in Singapur nicht. Grund dafür ist die Verkehrssteuerung der Regierung.

Freie Fahrt in einer Millionenmetropole! Wo gibt es sowas auf der Welt? Vermutlich nur in Singapur. Trotz über fünf Millionen Einwohner sind Staus eher eine Seltenheit. Und das obwohl auf der Insel eigentlich kaum Platz für ausreichend Straßen ist.

Maut nach Verkehrsaufkommen

Dass es trotzdem nicht zu Staus kommt, liegt an drei Maßnahmen der Regierung. Luxus-Steuern auf Autos, begrenzte Lizenzen für Autos und einem elektronisches Steuerungssystem ERP („Electronic Road Pricing““). Autofahrer müssen auf den Hauptverkehrsstraßen der Stadt eine Maut bezahlen. Die Höhe hängt vom Verkehrsaufkommen ab. Je voller es auf der Straße ist, desto höher ist die Maut. Eine einfache Fahrt durch die Stadt kann so schon mal fünf bis zehn Euro kosten.

Maut-Brücke mit ERP-System

Wer in Singapur ein Auto fahren möchte, muss zudem eine Lizenz beantragen. Die Zahl der Lizenzen ist begrenzt und kann nur ersteigert werden. So eine Lizenz kann zwischen 30.000 und 50.000 Euro kosten und gilt nur für zehn Jahre, danach muss eine neue ersteigert werden. Hinzu kommen Luxussteuern aufs Auto.

Zu wenig Platz für Autos

„Wir haben nicht genug Platz für Autos“, haben die Stadtplaner schon in den 1970er-Jahren festgelegt und daraus die restriktive Politik abgeleitet. Das ERP gibt es bereits seit 1998, mittlerweile hat Singapur mit London, Toronto, Dubai oder Hongkong Nachahmer gefunden, die auf vergleichbare Maßnahmen setzen.

ÖPNV: Schnell mit engen Takten

Singapur kann sich solche Maßnahmen leisten, ohne dass die Bürger einen Aufstand üben. Das liegt auch daran, dass der Öffentliche Personennahverkehr extrem gut ausgebaut ist. Mit Metro und Bus kommen Singapurer auch in entlegene Gebiete des Stadtstaates. Und zwar im Drei- bis Fünf-Minuten-Takt. Wegen der freien Straßen und eigenen Busspuren geht es auch mit dem Bus sehr flott.

Billige Tickets für Metro und Busse

Doch nicht nur die Verbindungen des ÖPNV sind gut, sie sind auch noch spottbillig. Und das zu Schnäppchenpreisen für U-Bahn-Tickets. teilweise sind die sogar umsonst. Ebenfalls eine Maßnahme zur Verkehrssteuerung. Damit soll die Metro in Stoßzeiten entlastet werden.

Text/Fotos (c) Michael Westerhoff

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