Manaus und das Opernhaus mitten im Urwald

Das berühmte Opernhaus

Das berühmte Opernhaus

Was hat hier ein Opernhaus verloren? Mitten im Urwald. Nur mit dem Schiff und dem Flugzeug zu erreichen. Das Teatro Amazonas in Manaus ist wohl das ungewöhnlichste Opernhaus der Welt.

Hunderte Häuser mit Jugendstil-Fassaden verraten: Manaus muss einmal unfassbar reich gewesen sein. Vom Glanz ist wenig übrig geblieben. Die meisten Häuser sind verfallen, nur ein kleiner Platz mit einem Riesengebäude sticht heraus. Der Platz rund ums Opernhaus. Hübsch restauriert. Immerhin. Brasilien scheint erkannt zu haben, dass es sich lohnt, die historischen Denkmäler wieder aufzuhübschen.

Das Opernhaus innen

Das Opernhaus innen

Allem voran natürlich das Opernhaus. Das berühmteste Gebäude der Stadt. Mit einer imposanten Fassade, einem herrlichen Innenraum mit zahlreichen Logen und einer bunten Kuppel, die mit Kacheln aus Deutschland gebaut wurde.

Manaus schwamm im Geld

Damals. Als Manaus im Geld schwamm und so etwas wie das Abu Dhabi oder Dubai der damaligen Zeit war. Doch es war nicht das Öl, sondern der Kautschuk, der zumindest eine obere Schicht unfassbar reich macht. Kautschuk, der Gummibaum aus dem Latex beispielsweise für Reifen gewonnen wurde.

Zuschauerraum

Zuschauerraum

Und wie die Scheichs heute in Arabien wollten die Kautschukbarone ihren Reichtum zur Schau stellen. Sie bauten eine Stadt nach europäischem Vorbild. Mitten im Urwald. Abgeschnitten vom Rest der Welt. Die Krönung sollte ein Opernhaus auf höchstem europäischen Niveau werden. In den 1880er-Jahren beschlossen, dauerte es bis 1897 bis das Haus endlich eröffnet werden konnte.

Deutsche Kacheln für Opernhaus im Urwald

Die Kautschukbarone ließen sich nicht lumpen. Sie hatten fürs Hafengebäude bereits sämtliche Steine aus Schottland geholt und die Markthalle – entworfen von Gustave Eiffel, dem Erbauer des Eiffelturms – kam in Fertigteilen aus Frankreich. Beim Opernhaus lief das ähnlich: Architekten, Künstler, Male, viele Baumaterialien wie die deutschen Kacheln – alle importiert aus der Alten Welt.

Vorstellung im Teatro Amazonas

Vorstellung im Teatro Amazonas

Silvester 1896 feierte die feine Gesellschaft der Stadt eine pompöse Eröffnung. Ihnen muss der Schweiß runtergelaufen sein. Die Luftfeuchtigkeit in Manaus liegt meistens über 90%, die Nachttemperaturen gern mal bei knapp 30 Grad, Klimaanlagen waren noch nicht erfunden. Künstlerisch erreichten die Macher schnell europäisches Niveau. Orchester und Solo-Künstler wurden nämlich regelmäßig mit dem Schiff aus Europa geholt, um den Kautschukbaronen ein ansprechendes Programm bieten zu können.

War Caruso in Manaus?

In zahlreichen Veröffentlichungen ist die Rede davon, dass auch Star-Tenor Enrico Caruso auf der Bühne gestanden haben soll. Dafür gibt es aber keine Belege. Ganze zehn Jahre überdauerte der Glanz, 1907 fand die letzte Vorstellung im Teatro Amazonas, so der offizielle Name, statt. Der Kautschukpreis war verfallen, die Plantagenbesitzer machten sich aus dem Staub bzw. konnten sich den Betrieb nicht mehr leisten.

Die Fassade am Abend

Die Fassade am Abend

Trotz einiger Renovierungen verfiel das Gebäude, diente zwischenzeitlich sogar als Benzinlager für die Armee. Nicht nur die Hitze und die Luftfeuchtigkeit sorgten für den Verfall, im Laufe der Jahrzehnte knabberten sich auch Termiten durchs Gebäude. 1990 erfolgte deshalb eine Rundum-Erneuerung und das Opernhaus erstrahlte mit Auftritten von Placido Domingo und José Carreras zumindest kurzzeitig wieder in altem Glanz. Weil sich die Bewohner von Manaus aber Besuche im Opernhaus nicht leisten wollen oder können, gab es zwischenzeitlich kaum Vorstellungen.

Die Kacheln auf der Kuppel stammen ursprünglich aus Deutschland

Die Kacheln auf der Kuppel stammen ursprünglich aus Deutschland

Mittlerweile finden wieder regelmäßig Veranstaltungen statt. Opern, Konzerte, Ballett und Tanztheater, häufig sind die Aufführungen umsonst. Wer das Opernhaus besucht, sollte sich deshalb erkundigen, ob abends eine Vorstellung stattfindet. Tagsüber können Sie das prächtige Haus mit fast 1.000 Plätzen und einem wunderbaren Innenraum besuchen. Führungen kosten rund drei Euro.

Manaus und das Opernhaus im Colorfulcities-Video:

Text/Fotos (c) Michael Westerhoff

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