Opernhaus in Sydney

Zufahrt zur Oper

Zufahrt zur Oper

Zu teuer. Zu lange Bauzeit. Ein Architekt, der fluchtartig die Baustelle verlässt und nie wieder betritt. Dass die Oper von Sydney heute eins der berühmtesten Bauwerke der Welt ist, damit hätte beim Bau niemand gerechnet. Damals waren die Verantwortlichen froh, dass er überhaupt fertig wurde.

Die Pläne für den Bau einer Oper auf einem Brachgelände stammen schon aus den 40er-Jahren. 1957 setzt sich der Däne Jorn Utzon mit seinem Entwurf in einem Architektenwettbewerb durch. 1959 beginnen die Bauarbeiten. Und damit das Chaos.

Seit 2007 ist das Opernhaus Weltkulturerbe der UNESCO

Seit 2007 ist das Opernhaus Weltkulturerbe der UNESCO

Ursprünglich hatte Utzon einen Baupreis von rund sieben Millionen Australischen Dollar für das Opernhaus veranschlagt. Er persönlich überwacht den Bau. Doch alles erweist sich als komplizierter als gedacht. Die Dachkonstruktion, die einem Segel oder einer geschälten Orange entspricht, mit den damaligen technischen Möglichkeiten, nur schwer umzusetzen. Auch mit den Kacheln auf dem Dach und den Scheiben gibt es immer wieder Probleme.

1966 platzt den Politikern in New South Wales der Kragen. Über ein Jahr ist seit dem geplanten Eröffnungstermin im Januar 1965 verstrichen, ein wirklicher Baufortschritt ist nicht zu sehen, dafür explodieren die Kosten immer mehr. Letztendlich wird die Oper nicht sieben Millionen, sondern über 100 Millionen Australische Dollar kosten. Das 14fache der ursprünglich veranschlagten Summe.

Opernhaus

Opernhaus

Es kommt zum Eklat: Die Politik will Utzon den Geldhahn zudrehen. Der packt daraufhin entnervt seine sieben Sachen und verlässt fluchtartig die Baustelle. Er wird die von ihm geplante Oper bis zu seinem Tod 2008 niemals betreten. Ohne ihn gehen die Bauarbeiten weiter. In abgespeckter Form, um die Kosten in den Griff zu bekommen. Die Folge: Es gibt bis heute zahlreiche logistische Probleme beim Umbau von Bühnenbildern und mit der Akustik.

Blick vom Wasser auf Opernhaus

Blick vom Wasser auf Opernhaus

Immerhin. Der Bau des Opernhauses kann endlich vollendet werden. Am 20. Oktober 1973 wird die Oper offiziell von Königin Elisabeth II. eingeweiht. Mit Beethovens neunter Sinfonie, der Ode an die Freude. 2007 erklärt die UNESCO das Opernhaus zum Weltkulturerbe. Neben der Harbour Bridge und dem Ayers Rock ist sie einer der drei Wahrzeichen Australiens.

Die Kacheln des Opernhauses

Die Kacheln des Opernhauses

Trotzdem ebben die Stimmen nicht ab, die das Haus wegen ihrer logistischen Mängel lieber heute als morgen abreißen würden. Da das undenkbar ist, steckt die Oper lieber Millionen in die Renovierung des Gebäudes. Sponsoren können beispielsweise symbolisch Kacheln erwerben, um das Projekt zu unterstützen. Mit vier Millionen Besuchern in den fünf Sälen und 2.500 Aufführungen pro Jahr ist die Oper eins der wichtigsten und größten Häuser der Welt.

Dank neuester Laser-Technik können die Segel heute bunt angestrahlt oder Bilder auf sie projiziert werden. Letztendlich versöhnte sich auch der Architekt mit den Verantwortlichen. Er arbeitete bis zu seinem Tod an den Renovierungsplänen mit. Allerdings vom heimischen Dänemark aus. Das Opernhaus soll er nie in natura gesehen haben.

Text/Fotos/Nachbearbeitung © Michael Westerhoff

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: