Nationalpark Pingvellir in Island

Nationalpark Pingvellir

Nationalpark Pingvellir

Durch Island geht ein Riss. Nämlich der zwischen Europa und Amerika. Der ist im Nationalpark Pingvellir in Form eines tiefen Grabens zu bewundern. Zudem steht hier die Wiege der isländischen Demokratie, die schon über 1.000 Jahr alt ist.

Wenn im Fernsehen von Erdbeben die Rede ist, dann fällt immer wieder der Satz, dass zwei Erdplatten aneinander reiben. Zwei Erdplatten. Im Pingvellir lässt sich spektakulär besichtigen, was damit gemeint ist. Hier treffen die eurasische und die amerikanische Platten aufeinander.

Der große Graben im Pingvellir

Der große Graben im Pingvellir

Dass die beiden Platten nicht bündig schließen, lässt sich hier bewundern. Tektonische Bewegungen haben einen 70 Meter breiten Graben und 40 Meter Höhenunterschied erzeugt. Wer oben (auf der amerikanischen Platte) steht, kann 40 Meter in die Tiefe blicken. Sozusagen nach Eurasien. Aus dem Graben sprudelt ein großer Wasserfall. Eine weitere Attraktion am Pingvellir. 

Kirche im Pingvellir

Kirche im Pingvellir

Die Isländer verehren das Gebiet, das von vier Vulkanen umschlossen ist, aus einem anderen Grund. Hier trafen sich ab ca. 930 nach Christi einmal jährlich die isländischen Stammesführer, um über Gesetze für die Insel zu beraten. Rund 40 Kilometer nördlich von Reykjavik führten die Reit-Pfade der Insel zusammen. Für 14 Tage im Juni tagte deshalb am Pingvellir das Parlament.

Beim isländischen Parlament handelt es sich um das zweitälteste der Welt (klammert man mal das antike Griechenland und das Alte Rom aus). Nur auf der Isle of Man gab es noch einige Jahre vorher eine ähnliche gesetzgebende Versammlung. Die Bedeutung des Alpings, so der Name des Parlaments, wird daran deutlich, dass hier beispielsweise um das Jahr 1000 beschlossen wurde, dass das Christentum als offizielle Religion eingeführt wurde. Erst die dänischen Besatzer lösten die Versammlung 1798 auf.

Blick von oben auf die Seenplatte im Pingvellir

Blick von oben auf die Seenplatte im Pingvellir

Als Island 1944 die vollständige Souveränität zurück erhielt, wurde erneut hier die Demokratie ausgerufen. Auch das 50jährige Bestehen Islands wurde hier begangen. Wo genau die alten Stammesführer getagt haben, zeigt heute die isländische Fahne an, die auf dem Gesetzgebungshügel weht (siehe Foto oben). Zudem steht hier eine Kirche aus dem 19. Jahrhundert, die daran erinnern soll, dass das Parlament gegen Widerstand heidnischer Priester das Christentum zur Staatsreligion erklärte.

Der Eintritt in den Pingvellir ist frei. In einem kleinen Museum werden Filme über die Demokratie und die Erdplatten gezeigt. Der Nationalpark gehört zum „Golden Circle“, einer Rundtour, auf der auch der Wasserfall Gullfoss und die Geysire besichtigt werden können.

Text/Fotos/Nachbearbeitung (c) Michael Westerhoff

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