Popayan ist eine der am besten erhaltenen Städte mit Kolonialarchitektur in Kolumbien. Trotz Erdbeben, die immer wieder Gebäude zerstört haben.
Die weiße Stadt. Die Stadt der Prozessionen. Stadt der Präsidenten. Schönste Kolonialstadt Amerikas. Für Popayan fallen einem viele Titel ein, die es alle treffen. Weiße Stadt. das ist der Begriff, der am bekanntesten ist. Wer in den Stadtkern kommt, weiß warum: Fast alle Gebäude sind weiß gestrichen.

Auch schönste Kolonialstadt ist durchaus zutreffend. Kaum irgendwo gibt es so viele alte Kolonialgebäude wie hier. 1537 kamen die Spanier hier her, weil sie in der Nähe die sagenumwobene goldene Stadt El Dorado vermuteten. Die haben sie nicht gefunden, aber immerhin einen wunderschönen Ort gebaut. Wobei vieles wieder aufgebaut ist, weil die Stadt bei einem Erdbeben 1983 stark zerstört wurde.
Schönste Kolonialstadt Kolumbiens
Der erste Tipp ist also: Lasst Euch durch die Gassen treiben und bewundert die schönen Gebäude. Wobei ich das mit einem Guide getan habe. Das ergibt tatsächlich Sinn, weil der einfach in Gebäude reinmarschiert, in die man sich allein kaum getraut hätte. In die Universität. In Kolonialgebäude, die verschlossen aussehen. Oder ins Museum, in dem die Figuren für die Prozession aufbewahrt werden.

Beginnen wir mit der Universität. Sie ist eine der bekanntesten Kolumbiens und eine Kaderschmiede der Politik. Aus Popayan stammen 17 kolumbianische Präsidenten, die hier alle ihre Ausbildung genossen haben. Einige Präsidenten findet ihr auch in der Aula auf einem Ölgemälde von Efraím Martínez. Das Bild „La Apoteosis de Popayán“ wurde 1936 anlässlich des 400. Geburtstag der Stadt gemalt. Ihr findet hier Präsidenten, Militärs, Personen des öffentlichen Lebens verschiedener Epochen, die die Geschichte der Stadt geprägt haben. Auch Ureinwohner hat Martinez auf dem Bild verewigt.
Zehntausende bei Prozessionen
In Kolumbien ist Popayan auch wegen der Prozession bekannt, zu der jedes Jahr zehntausende Besucher kommen. Die gesamte Karwoche tragen die Beteiligten riesige Figuren durch die Stadt. Die Figuren könnt ihr in einem kleinen Museum bewundern, in dem sie das Jahr über gelagert werden.

Die Prozession ist die berühmteste in Kolumbien. Bereits seit 1556 findet sie statt. Um diese erste rankt sich eine spannende Geschichte: Die Prozession hat den Bewohnern nämlich das Leben gerettet. Indigene aus Peru wollten die Stadt erobern, wurden aber von den Fackeln der Gläubigen abgeschreckt. Sie dachten, dass eine riesige Armee in der Stadt ist. Seit 2009 zählt die Tradition in der Karwoche zum immateriellen UNESCO-Welterbe.
Blick vom Hügel auf die Stadt
Am Rande der Altstadt findet ihr einen kleinen Hügel, der wie eine natürliche Erhebung aussieht. Es ist aber die alte Pyramide „El Morro del Tulcan“ der indigenen Bevölkerung, in der Gegenstände gefunden wurden, die zwischen 1600 und 500 vor Christi entstanden sind. Auf die Gräber in der Pyramide wurden die Menschen durch Zufall aufmerksam. Ein Sturm hatte 1957 Teile freigelegt.

Bis 1940 hatte die Pyramide eine Spitze, die aber platt gemacht wurde, ums oben ein Denkmal des spanischen Eroberers Sebastian de Belalcázar, der Popayan gegründet hat, aufzustellen. Indigene betrachteten es als Provokation, dass ausgerechnet einer, der zahlreiche Indigene getötet und das Land erobert hat, auf einer indigenen Kultstätte stand. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion warfen sie die Statue deshalb 2020 vom Sockel.