Vietnams marktwirtschaftlicher Sozialismus

Parteiplakat in Ho Chi Minh Stadt
Parteiplakat in Ho Chi Minh Stadt

Im Gegensatz zur DDR hat Vietnams Sozialismus überlebt. Das hat einen Grund: Bereits 1986 leitete die Kommunistische Partei eine Wirtschaftsreform ein und erlaubte private Investitionen.

Hier eine Pepsi-Reklame, da ein McDonald’s-Restaurant – dass Vietnam ein sozialistisches Land ist, bemerken Besucher allenfalls an den vergleichsweise dezenten Plakaten der Kommunistischen Partei, die viele Straßen des Landes zieren.

Nach dem Ende des Vietnamkrieges führte Vietnam eine Planwirtschaft nach sowjetischen Vorbild ein. Von der Landwirtschaft bis zur Industrie wurden alle Betriebe verstaatlicht. Mit fatalen Folgen: Die Wirtschaft erlebte einen unbeschreiblichen Niedergang, an dessen Ende Hungersnöte standen.

Doch die Kommunistische Partei erkannte das Erforderliche: Ohne Wirtschaftsreformen wäre die Macht wohl nicht zu halten gewesen. So beschloss die Partei auf dem Parteitag 1986 eine Liberalisierung der Wirtschaft. Fortan waren Privat-Betriebe wieder erlaubt, später sogar ausländische Investitionen.

Der frühere sozialistische Führer Ho Chi Minh wird verehrt, gleichzeitig hat sich Vietnam aber von seinem planwirtschaftlichen Konzept abgewandt
Der frühere sozialistische Führer Ho Chi Minh wird verehrt, gleichzeitig hat sich Vietnam aber von seinem planwirtschaftlichen Konzept abgewandt

Dadurch kam es auch zur Annäherung mit dem ehemaligen Erzfeind und Kriegsgegner USA. Die Vereinigten Staaten haben Mitte der 1990er-Jahre das Wirtschaftsembargo auf, was zu einem weiteren Schub in der Wirtschaft sorgte.

Vietnam entwickelte sich zu einer Nation, in der die Wirtschaft boomt. Früher verhungerten die Menschen, heute ist das Land der zweitgrößte Reis-Exporteur der Welt. Von einem der ärmsten Länder der Welt stieg das sozialistische Land zu einem Schwellenland mit guter Perspektive auf.

Letztendlich sicherte das auch die Macht der Kommunistischen Partei, die im Gegensatz zur SED in der DDR nicht von den Menschen zum Teufel gejagt wurde. Trotz der wirtschaftlichen Liberalisierung gibt es in Vietnam nach wie vor ein Einparteiensystem, allerdings nicht ganz so dogmatisch wie in China. Bei den alle fünf Jahre stattfindenden Wahlen müssen die Bürger tatsächlich eine Wahl haben. In allen Bezirken müssen mehrere Kandidaten notiert werden, sogar unabhängige Abgeordnete sitzen im Parlament.

Text/Fotos (c) Michael Westerhoff

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