Das Schloss in Vilnius

Das Stadtschloss neben dem Glockenturm

Das Stadtschloss ist eins der spannendsten und umstrittensten Gebäude der litauischen Hauptstadt. Es sieht alt aus, ist es aber nicht.

Riesige Wandteppiche hängen an der Wand, daneben ein großes in Gold gerahmtes Gemälde, im Schlafzimmer ein gemütliches Himmelbett. Die Großfürsten im Schloss in Vilnius haben es sich gut gehen lassen. Könnte man denken.

Vilnius im Colorfulcities-Video:

Vilnius im Video

Wie die Herrscher gelebt haben, ist aber völlig unklar. Es gibt keine Zeichnungen oder Abbildungen. Die Einrichtung entspringt ausschließlich der Fantasie der Verantwortlichen der litauischen Regierung. Die haben die gesamte Inneneinrichtung nämlich bei Antiquitätenhändler zusammengekauft. So wie im Schloss könnte es mal Ausgehsehen haben, hat es aber wahrscheinlich nicht.

Zerstörung durch die Russen

Bereits im 13. Jahrhundert hat an dieser Stelle im Zentrum von Vilnius (neben der Kathedrale) ein Schloss gestanden, das aber von einem großen Feuer zerstört wurde. Anfang der 15. Jahrhunderts begannen die Bauarbeiten für ein neues Schloss, das dem Großfürsten von Litauen und späteren Königen Polens diente. Allerdings stand das Schloss nur bis 1655. Bis die Russen versuchten Vilnius zu erobern.

Der Innenhof des Schlosses

Teile des Palastes waren trotzdem noch bewohnbar und wurde weiterhin genutzt. Ein Wiederaufbau fand aber nicht statt. 1801 machte der russische Zar die Ruine endgültig dem Erdboden gleich. Seither gab es kein Schloss mehr am Rande der Altstadt, es klaffte eine große Lücke unterhalb der (ebenfalls zerstörte) Burg.

Wiederaufbau des Schlosses

In den 90er-Jahren begann eine Diskussion um die Zukunft des Platzes im Herzen der Stadt. Die Regierung entschied sich, das Schloss wieder aufzubauen. 200 Jahre nach der Zerstörung. 2013 konnte der wieder aufgebaute Palast eröffnet werden. Immerhin ist der – im Gegensatz zur Inneneinrichtung nach historischem Vorbild auf den Grundmauern des alten Schlosses entstanden.

Das Schloss von oben – Blick von der Burg

Bereits Ende der 1980er-Jahre begannen am Platz der Kathedrale Ausgrabungsarbeiten. Damals wurden auch die Grundmauern freigelegt, Die Funde der Ausgrabungen sind heute im archäologischen Museum unter dem Schloss zu bewundern. Das Schloss dient heute (wie schon bei den polnischen Königen) Repräsentationszwecken und kann besichtigt werden.

Text/Fotos/Video (c) Michael Westerhoff

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

fünf × 2 =