Vom Hardy zum DAX – Börse Frankfurt

Franfurt Börsensaal
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Hardy, BZ-Index, FAZ-Index, Commerzbank-Index, Index der Frankfurter Börse. Der DAX hat mehrere Vorgänger. Bis 1988 berechneten die Börsianer verschiedene Indizes. Bis sie sich auf die Einführung des bis heute bekannten DAX einigten.

Bereits 1959 gab es einen deutschen Leitindex: Den Hardy. Berechnet vom Bankhaus Hardy. Als das aber 1970 von der Dresdener Bank geschluckt wurde, war auch der Index-Geschichte. Die Börsenzeitung und die Frankfurter Allgemeine sprangen zwar mit eigenen Indizes ein. Diese waren aber relativ undynamisch, weil sie ihre Kurse nicht wie heute permanent berechneten. Auch die Commerzbank hatte einen Aktienindex entwicklet, der berücksichtigte die Konkurrenzbanken wie die Deutsche Bank aber nicht ausreichend.

Deshalb sollte ein einheitlicher Index her: Ursprünglich sollte der DAX übrigens DAI (wie Deutscher Aktien Index) heißen, das kam einigen Börsianern dann aber doch zu japanisch vor, schließlich gibt es in Japan den Nikkei-Index, deshalb einigten sich das Gremium, das über die Einführung eines einheitlichen Deutschen Aktienindex beraten hatte, 1988 letztendlich auf DAX.

Bulle auf dem Platz vor der Frankfurter Börse
Bulle auf dem Platz vor der Frankfurter Börse

Kurioserweise übersprang der DAX 1985 zum ersten Mal die 1.000 Punkte. Also drei Jahre bevor es den DAX überhaupt gab. Das liegt daran, dass der Aktienindex zurückgerechnet wurde. Die erste Notierung des DAX lag bei rund 1.100 Punkten. Schon damals setzte sich der Index aus den 30 größten deutschen Aktiengesellschaften zusammen.

Erstaunlich: 17 der Gründungsgesellschaften gehören bis heute ununterbrochen dem DAX an. Wenn auch teilweise unter neuem Namen. So waren am 1. Juli 1988 beispielsweise die Energiekonzerne VEBA und VIAG im DAX vertreten, die heute zusammen unter dem Namen e.on firmieren. Aber mit Allianz, BMW, Siemens oder Volkswagen notieren heute mehrere Gesellschaften noch unter dem Ursprungsnamen im DAX. Andere sind dagenen verschwunden. Zum Beispiel das Gründungsmitglied Nixdorf, Feldmühle Nobel oder Mannesmann.

Lego-Bulle im Börsensaal
Lego-Bulle im Börsensaal

Eines der Gründungsmitglieder könnten wir dagegen bald wiedertreffen: Die Deutsche Gold- und Silberscheideanstalt, besser bekannt als Degussa. Das Unternehmen gehört heute zum Essener Evonik-Konzern, der aus der Ruhrkohle AG vorgegangen ist. Sollte sich das Unternehmen – wie bereits lange geplant – endlich für einen Börsengang entscheiden, ist es ein heißer Kandidat für den DAX. Wer in den Aktienindex aufgenommen wird, entscheidet sich nach der Streubesitz-Marktkapitalisierung. Vereinfacht gesagt: Nach der Zahl der frei gehandelten Aktien und deren Gesamt-Wert.

Da sich der Wert von Unternehmen verändert, kommt es wie in der Bundesliga regelmäßig zu Auf- und Abstiegen. So stieg das Gründungsmitglied Continantal beispielsweise 1996 in die zweite Börsenliga, den MDAX, ab, und erst 2012 wieder in den DAX auf. Continental löste damals den LKW-Hersteller MAN ab, der durch die Übernahme durch den VW-Konzern nicht mehr ausreichend Marktkapitalisierung besaß.

Die kürzester Verweildauer im DAX hatte übrigens Osram. Die Aktie wurde ausschließlich am 8. Juli 2007 im DAX gehalten. Grund war die Abspaltung von der Mutter Siemens an diesem Tag. Um Verzerrungen in den Kursen abzufedern, wurde Osram für einen Tag im DAX gehandelt. Einen ähnlichen Fall gab es bereits 2005 als Bayer seine Tochter Lanxess an die Börse brachte.  Seit September 2012 gehören die Mutter Bayer und die Tochter Lanxess dem Deutschen Aktienindex an.

Text/Bilder (c) Michael Westerhoff

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