Hexenjagd in Salem, Massachusetts

Die Friendship in Salem
Die Friendship in Salem

Hexenverfolgung verortet man eigentlich im mittelalterlichen Europa. Doch auch Amerika erreichte die Angst vor angeblich verhexten Frauen. 1692 wurden in Salem in Massachusetts 20 Menschen hingerichtet, 200 landeten im Kerker, unzählige schrecklich gefoltert. Daran erinnert das Örtchen heute mit Museen und einem Hexen-Trail, dem Touristen folgen können.

Eine Hauptstraße, eine Einkaufszone, ein paar Häuser. Salem ist eher eine unauffällige Kleinstadt in den Neuengland-Staaten. Hätten hier nicht die blutigsten Hexen-Prozesse der Neuen Welt stattgefunden, würden wahrscheinlich die meisten einen Bogen um den Ort machen.

Ende des 17. Jahrhunderts hatte eine junge Frau Wahnvorstellungen. Dies war der Auslöser der schrecklichen Hinrichtungen und Folterungen. Puritanische Prediger waren sich sicher: Das Mädchen ist vom Teufel besessen. Bei genauerer Betrachtung sahen die Prediger auch bei anderen Menschen Auffälligkeiten. Sie mussten vom Teufel besessen sein, vielleicht hatten sie einen Pakt mit den Indianern geschlossen, die sie verzaubert hatten.

Es begann eine beispiellose Welle von 200 Verhaftungen und 20 Hinrichtungen. Ein Farmer wurde mit Steinen bedeckt bis er gestand. Ihm blieb auch wenig anderes übrig. Unter der Last der Steine wäre er sonst erstickt. Trotz des Geständnisses starb er drei Tage später an den Folgen der Folterung. Erst der britische König, der eine Delegation nach Salem schickte, machte dem Spuk ein Ende.

Für Salem hatte die Hexenverfolgung schwere Folgen. Farmer und Handwerker verließen fluchtartig die Stadt. Der wirtschaftliche Niedergang des Ortes war nicht mehr aufzuhalten. An die Blütezeit erinnert die Friendship (siehe Bild oben), ein Nachbau eines Schiffs der East-India-Company, die in Salem regen Handel trieb. Die Replik des Dreimasters liegt seit dem Jahr 2000 im Hafen und kann besichtigt werden.

Die meisten Salem-Besucher interessieren sich natürlich mehr für die Hexenverfolgung. Ein Witch-Trail, ein Hexen-Pfad, der an den wichtigsten Stationen vorbei führt, und ein Museum erinnert an die blutigen Ereignisse. Auf dem Friedhof sind Gräber der Verfolgten zu besichtigen. Der Hexen-Tourismus lockt jedes Jahr über eine Million Besucher. Bekannt wurde das Ereignis auch durch Arthur Millers Theaterstück „Hexenjagd“, das in Salem spielt und mehrfach verfilmt wurde. Zuletzt 1996 mit Winona Rider.

Warum es zur Hexenverfolgung kam, ist bis heute nicht ganz geklärt. Möglicherweise hatten tatsächlich einige Salemer Wahnvorstellungen, weil sie sich an verseuchtem Getreide vergiftet hatten. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass die angespannte Lage durch permanente Indianer-Überfälle und radikale puritanische Prediger zu der Hysterie führten.

Text/Foto/ (c) Michael Westerhoff

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