Die lettische Nationalbibliothek in Riga

Die Nationalbibliothek an der Düna

Das wohl spektakulärste Gebäude in Riga ist die Nationalbibliothek. Ein 68 Meter hohes Gebäude, das ein lettisches Gedicht in Architektur übersetzt.

„Das goldene Ross“ des lettischen Dichters Rainis nennt der Architekt Gunnar Birkerts als Vorbild für die Nationalbibliothek. Darin geht es um eine Prinzessin, die auf der Spitze eines gläsernen Bergs schläft. Die Prinzessin wird in dem Gedicht irgendwann befreit. Birkerts verstand die Bibliothek als Symbol für die Befreiung von der russischen Besatzung.

Blick vom Hochhaus auf die Düna und die Nationalbibliothek

Birkerts war nach dem Zweiten Weltkrieg vor der heranrückenden Roten Armee nach Amerika geflüchtet und machte dort als Architekt Karriere. Die Eröffnung seiner Bibliothek hätte er allerdings fast nicht mehr erlebt. Der Bau hat sich ungefähr so lange hingezogen wie der des Berliner Flughafen BER. Bereits 1989 standen die Pläne. Doch es gab erheblichen Widerstand in der Bevölkerung gegen den 160 Millionen Euro teuren Prestigebau.

Die Nationalbibliothek

Erst 2014 als Riga Europäische Kulturhauptstadt war, konnte die Nationalbibliothek eröffnet werden. Wieder mit einem symbolischen Akt. Die Rigenser bildeten eine Menschenkette von der alten zur neuen Bibliothek. Einige Bücher wurden so in Form einer Bücherkette vom alten ins neue Gebäude transportiert. Menschenketten haben in den baltischen Staaten eine besondere Bedeutung. Mit einer Kette durch alle baltischen Hauptstädte erkämpften sich die Balten ihre Unabhängigkeit.

Riga im Colorfulcities-Video:

In der neuen Bibliothek befinden sich auf 13 Stockwerken mehr als 5 Millionen Medien. Wer die Nationalbibliothek besichtigen will, kann einfach reinmarschieren. Es gibt aber auch Führungen, auch in deutscher Sprache. Das Gebäude ist an Wochentagen zwischen 9 und 20 Uhr und am Wochenende zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet.

Text/Fotos/Video (c) Michael Westerhoff

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