22. Juni 2024
USA

Ein Hauch von „Vom Winde verweht“ – das Carnton-House in Franklin

Im Carnton-House in Franklin bei Nashville könnt ihr einen Hauch von „Vom Winde verweht“ spüren. Auf der Plantage haben Sklaven gearbeitet, im Bürgerkrieg war die Villa ein Lazarett.

Hier könnt Ihr Bürgerkriegs- und Sklaven-Geschichte der Südstaaten hautnah erleben. Das Carnton-House war bis zum Schicksalstag 30. November 1864 eine Plantage wie es viele in den Südstaaten gab. Mit einer reichen Besitzerfamilie, die Kontakte bis zum US-Präsidenten pflegte. Und natürlich mit Sklaven, die Haus und Feld bestellten.

Baracke, in der die schwarzen Sklaven wohnten

Die Südstaatenvilla wurde 1826 errichtet. Bis zur Schlacht am 30. November 1864 residierte hier Plantagenbesitzer John McGavock mit seiner Familie. Wie die reichen Großgrundbesitzer damals in der Villa lebten, könnt ihr bei einem Rundgang durchs Haus sehen. Möbel und Tapeten sind originalgetreu nachgestaltet worden. Die schwarzen Sklaven mussten nebenan in kleinen Barracken wohnen. Auch die könnt ihr bei einem Rundgang über das weitläufige Gelände besichtigen. Insgesamt besaß die Familie 44 Sklaven.

Von der Südstaaten-Villa zum Lazarett

Mit der Schlacht änderte sich alles von einer auf die nächste Minute. Die Unionisten, die Nordstaatler, beschlagnahmten die Villa und richteten ein Lazarett ein. Ärzte amputierten Gliedmaßen wie am Fließband. Der Blick auf die Instrumente, die im ersten Stock auf dem Tisch liegen, lässt die Schmerzen nur erahnen. Die Familie – obwohl eigentlich Südstaatler – kümmerte sich um die verletzten Unionisten.

Der Soldatenfriedhof auf dem Gelände des Carnton-Houses

Vor dem Haus ist ein kleiner Friedhof zu sehen. Die Truppen haben ihre Verwundeten und Toten zurückgelassen oder notdürftig begraben. John McGarvock legte deshalb einen Friedhof an, den er bis zu seinem Tod 1893 pflegte. Ganz selbstlos war das nicht. Er bekam fünf Dollar pro begrabener Leiche.

Sklaven bleiben auf Farm

Die Familie bewohnte noch bis 1907 das Anwesen und bewirtschaftete es mit den ehemaligen Sklaven, die nach dem Sieg der Unionisten ihre Freiheit bekamen. Anschließend zog die Familie ins angrenzende Franklin, Tennessee.

Das Carnton House von der Rückseite

Bei Amerikanern ist die Plantage auch deshalb beliebt, weil dort der Südstaaten-Roman „The Widow of the South“ von Robert Hicks spielt. Hicks war Vorsitzender des Komitees für den Erhalt der Plantage. Der Roman, der zwar erst 2005 erschien, steht in der Tradition von Brügerkriegs-Romanen wie „Vom Winde verweht“. Im Roman erzählt Rhett Butler, dass er in der Schlacht von Franklin gekämpft hat.

Ihr könnt das Carnton House auf einer Tour über die Schlachtfelder von Franklin besichtigen. Die Bustour startet in Nashville und dauert etwa sieben Stunden. Ihr könnt aber auch direkt zum Carnton House fahren. Es ist an jedem Tag der Woche geöffnet.

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