10. Juli 2026

Schloss Linderhof – das Lieblingsschloss von Ludwig II.

Schloss Linderhof

Linderhof ist ein süßes, kleines Schlösschen, das man sich sogar ohne Eintritt anschauen kann.

Ja, wo ist denn hier ein Zaun oder eine Zugangskontrolle? Bei der Besichtigung von Linderhof wundere ich mich. Es gibt keine. Schloss, Schlosspark, das marokkanische Haus, den maurischen Kiosk – alles kann man umsonst sehen. Und dabei noch einen schönen Spaziergang durch den Park machen.

Blick vom Schloss auf die Fontäne

Die zweite Überraschung: Linderhof ist sehr klein. Eher so groß wie eine prächtige Bürgervilla. Ludwig II., der das Schloss ab 1870 errichten ließ, orientierte sich beim Bau an Schloss Marly, einem Lustschloss des französischen Königs Ludwig XVI.

Schlosspark: Eintritt frei

Im Schloss selber seht ihr auch zahlreiche Verweise auf die Gesellschaft am französischen Hof. Szenen aus Versailles. Ein Porträt von Madame de Pompadour, der Maitresse von Ludwig XV. Um diese Bilder zu bewundern, müsst ihr dann doch Eintritt bezahlen. Die Besichtigung der Innenräume kostet Geld genauso wie eine Tour durch die Grotte oberhalb des Schlosses.

Blick vom Weg zur Grotte aufs Schloss

Auch von innen ist Linderhof vergleichsweise klein. Unten einige Räume für die Bediensteten, ob die Gemächer des Königs. Wobei die eher bescheiden sind. Ein Wohnzimmer mit Vasen, die Ludwig II. sammelte, das 100 Quadratmeter große Schlafzimmer, in dem er viel Zeit verbrachte und das berühmte kleine Speisezimmer mit dem Tischlein-deck-dich und drei Warteräume für die Diener.

Tischlein-deck-dich im Speisezimmer

Am Tisch im Speisezimmer befindet sich genau ein Stuhl. Der des Königs. Auf Gäste hatte der menschenscheue Ludwig ohnehin keine Lust. Da war es auch praktisch, dass nicht mal zum Servieren Diener im Speisesaal sein mussten. Mit einer Kurbel konnten sie den gedeckten Tisch vom Erdgeschoss ins erste Geschoss heben. Durch ein Loch im Fußboden konnte der Tisch nach oben gelangen. Auf den Seiten der Schlossverwaltung könnt ihr einen Rundgang durchs Schloss unternehmen.

Ludwig verbrachte hier in Linderhof wohl die meiste Zeit seines Lebens. Ab 1875 vorzugsweise nachts. Tagsüber schlief der Regent. Nachts war er wach und las sehr gern. Im Winter unternahm er von hier die nächtlichen Kutschfahrten, von denen ihr in den kitschigen 50er-Jahre-Filmen etwas seht.

Um das Schloss gibt es einen englischen Garten. Wasser fließt in Kaskaden den Berg hinunter. Vor dem Schloss befindet sich ein großer Teich mit riesiger Fontäne, die 22 Meter in die Höhe spritzt. Das Schauspiel könnt ihr jeweils zur vollen und zu halben Stunde sehen.

Die Venusgrotte mit künstlichen Tropfsteinen

Etwas oberhalb liegt die geheimnisvolle und technisch wie künstlerisch spannende Venusgrotte. Die größte künstliche Höhle des 19. Jahrhunderts. Mit künstlichen Tropfsteinen. Die Grotte kostet extra Eintritt (Gibt auch Kombi-Karte mit Schloss). Die solltet ihr euch nicht entgehen lassen. Die ist spektakulär.

Größte künstliche Grotte

Die Tropfsteine bestehen aus Zement. Darunter befindet sich eine Holzkonstruktion. Die riesige Grotte ist 90 Meter lang und mit allerlei Überraschungen gespickt. So konnte sie in blaues Licht getaucht werden, der blaue Grotte In Capri nachempfunden. Eine andere Szene ist dem Tannhäuser von Wagner nachempfunden. Es hängt ein riesiges Bild dort.

In blau getauchte Grotte mit Regenbogen

Ludwig konnte sich mit einem kleinen Boot über den künstlichen See in der Grotte schippern lassen. Er ging auch gern im 1,35 tiefen Wasser baden. Das konnte mithilfe von sieben Öfen auf 30 Grad erhitzt werden, damit es der König schön warm hatte. Am Wasser befand sich auch eine Anlage, die das Wasser in ein Wellenbad verwandelte. Mit Kurbeln konnten die Diener Wellen erzeugen.

Erstes elektrisches Licht in Bayern

Eine Besonderheit ist auch die elektrische Beleuchtung, die Ludwig 1878 einbauen ließ. Er hatte dafür eine Dampfmaschine bauen lassen. Die gilt als erstes Elektrizitätswerk von Bayern und als erstes Kraftwerk der Welt. Noch vor der Residenzstadt München hatte Ludwig hier in den tiefen Ammergauer Bergen das erste elektrische Licht seines Königreichs.

Ach ja, einen künstlichen Regenbogen und Wasserfall gibt es auch noch. Die Grotte war 2015 – 2025 wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Für knapp 60 Millionen Euro wurde die Venusgrotte, die durch eindringendes Wasser stark beschädigt war, wieder in den Originalzustand.

In der Nähe: Oberammergau und Kloster Ettal

Wenn ihr in Linderhof seid, könnt ihr den Besuch mit zwei weiteren Sehenswürdigkeiten verbinden, die in unmittelbarer Nähe liegen: Oberammergau mit seinem Festspielhaus und das Kloster Ettal mit seiner prächtigen Kirche und dem bekannten Ettaler Klosterbräu.


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