Seid ihr schon mal in einem Kohle-Bergwerk gewesen? Auf Spitzbergen könnt ihr die Grube 3 besichtigen und in Schächte krabbeln.
Jeder bekommt einen grünen Helm mit Licht vor. „Grün haben früher die Neuen getragen“, erklärt der Guide, der selber hier in der Grube 3 als Bergmann gearbeitet hat: „So konnte man sehen, wer sich noch nicht so auskennt. Danach gab es gelbe Helme. Die Ingenieure haben weiße getragen“.

Das schon mal vorab: Das Schöne an der Tour ist, dass sie von einem Mann geführt werden, der früher selbst unter Tage gearbeitet hat. Wobei „unter Tage“ in unserm Sinn eigentlich falsch ist. Dies ist nämlich ein klassisches Bergwerk. Die Kohle wurde aus dem Berg geholt. Und nicht wie beispielsweise früher im Ruhrgebiet, who Kohle hunderte Meter unter der Erde abgebaut wurde.
Ins Kohle-Flöz krabbeln

Nach einige Erläuterungen und einem alten Film, in dem die Arbeit der Bergleute gezeigt wird, geht es für die Gruppe in den Berg. Grünen Helm auf. Arbeitsanzug an. Den braucht ihr aber nur, wenn ihr später in die Kohleschächte krabbeln wollt. Schnell wird klar: Hier ist alles ein paar Nummern kleiner als früher im Ruhrbergbau, in dem es unter Tage riesigen Autobahnen gab, auf denen Züge die Kohle aus dem Berg geholt haben. Hier ist alles etwas schmaler, kleiner und enger. Vorbei geht es an den Zügen, in die Werkstatt.: Hier musste alles, wenn möglich, repariert werden. Ersatzmaterial hätte vom Festland angefordert werden müssen. Der Transport hätte Woche gedauert.
Der Job hatte besondere Herausforderungen. Ist es in Zechen auf aller Welt warm, herrscht hier auf Spitzbergen Dauerfrost. Das Gestein, das gehauen werden muss, ist also gefroren. Die Bergleute arbeiteten bei Temperaturen unter null Grad. Das Gestein war gefroren. das kann man auch super sehen, wenn man etwa 800 Meter in den Berg geht. Auf dem Gestein sind Eiskristalle.
Ihr könnt in Kohleschächte krabbeln
Es wird immer schmaler. Wir müssen den Kopf einziehen. Die Arbeit unter Tage war in der Grube 3 nicht nur wegen der Temperaturen hart. Hier musste fast überall Kohle in gebückter Haltung abgebaut werden. Es geht immer tiefer in den Berg. Wer mag, kann in schmale Kohleschächte krabbeln und sich wie ein Bergmann fühlen. Wer nicht will, kann sich das Schauspiel auch nur ansehen.

Von 1971 bis 1996 war die Grube 3 in Betrieb. Nicht vergleichbar mit unseren Bergwerk. Gerade mal 50 Menschen haben hier im Drei-Schicht-Betrieb. Bei uns waren es häufig mehrere tausend. Als die Kohle erschöpft war, entschied man sich, das Bergwerk zum Museum umzubauen.
Samen- und Kulturbank in Schächten
Zwei Besonderheiten gibt es noch auf der Tour zu sehen. Hier im Permafrostboden lagern heute Samen und Mikrofilme. Die nordische Samenbank, in der die Samen skandinavischer Pflanzen von Umwelteinflüssen geschützt lagern, ist sowas wie der kleine Bruder des benachbarten „Svalbard Global Seed Vault“, der weltweiten Samen-Bank, die in einem anderen Stollen im Berg untergebracht ist.

Neben den Samen werden in Grube 3 aber noch weitere Erben der Menschheit gelagert. Im Artic World Archive lagern digitale Kopien von Nationalarchiven. Zum Beispiel eine Kopie der Gutenberg-Bibel oder des Schreis von Edvard Munch. Der Vatikan hat hier Mikrofisch-Aufnahmen wichtiger Manuskripte und Zeichnungen aus dem Mittelalter eingelagert. Von beiden Lagerstätten könnt ihr aber nur den Eingang sehen.
Das Bergwerk liegt etwas außerhalb von Longyearbyen. Ihr könnt dort nur mit einer Gruppe hin. Schon weil ihr wegen der Eisbären den Ort nicht allein verlassen dürft. Wie alles auf Spitzbergen, ist auch diese Tour sehr teuer. Ihr werdet mit einem Bus vom Hotel abgeholt.