NRW-Flughäfen: Existenz gefährdet wegen Corona

Eine einsame Maschine im Sommer 2020 in Düsseldorf

Die Corona-Krise hat den Flughäfen in NRW schwer zugesetzt. Die Airports machen Millionenverluste und fürchten um ihre Existenz.

Die Zahlen sind erschreckend. Gerade mal 382 Passagiere sind im Juni 2020 ab Paderborn geflogen, nur 0,4 Prozent der üblichen Passagierzahl. Die Krise trifft die kleinen Airports genauso wie die großen. Köln-Bonn zählte im April und Mai gerade mal 11.000 Fluggäste. Im Vorjahr waren es zum selben Zeitraum noch 2,1 Millionen. Es geht zwar langsam wieder aufwärts, aber die Passagierzahlen erreichen längst nicht das alte Niveau.

Im Düsseldorfer Terminal waren bis Ende Juni alle Bistros geschlossen

Das spüren die Flughäfen in der Kasse: Der größte NRW-Flughafen in Düsseldorf macht jeden Corona-Monat 10 Millionen Euro Miese. Köln-Bonn hat das Geschäftsjahr 2019/20 mit einem Minus von 20 Millionen Euro abgeschlossen. Noch schlechter geht es den kleineren Airports in Dortmund, Weeze, Münster-Osnabrück und Paderborn-Lippstadt.

Keine staatliche Unterstützung

Im Gegensatz zu Fluglinien wie der Lufthansa haben die Flughäfen noch keine staatliche Unterstützung bekommen. Das liegt an einer Besonderheit in den Corona-Konjunkturprogrammen. Geld aus diesen Töpfen darf nicht an staatliche oder halbstaatliche Unternehmen gehen. Fünf der sechs NRW-Flughäfen (alle außer Weeze) sind aber in staatlicher oder kommunaler Hand. Hier müssen also die Gesellschafter wie die Stadt Düsseldorf oder die Stadt Münster die Löcher stopfen. Nur haben eben die Kommunen auch kein Geld.

Der Flughafen Köln-Bonn hat 2019/20 fast 20 Mio. Verlust gemacht

„Wir müssen so viele Corona-Löcher stopfen“, klagte beispielsweise Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe im WDR Fernsehen. Steuerausfälle, kein Eintritt aus Zoos oder Museen – den Kommunen fehlt es an allen Ecken und Enden. Lewe stellte klar, dass er auch das Millionenloch beim Flughafen Münster-Osnabrück stopfen will. Aber wie? Zumindest Bürgschaften oder verbilligte Kredite vom Land erhoffen sich die Flughafenbetreiber.

Existenz bedroht

„Ohne finanzielle Unterstützung werden die Flughäfen die Krise nicht überstehen“, schreiben die Oberbürgermeister von Dortmund und Münster sowie die Landräte der Kreise Kleve, Steinfurt und Paderborn an die Landesregierung. Es drohe eine existenzielle Gefährdung eines systemrelevanten Bestandteils der Infrastruktur, warnen die Stadt- und Kreis-Oberhäupter. Sie sind Gesellschafter oder Kreditgeber bei den kleinen Flughäfen in Paderborn, Weeze, Münster und Dortmund.

Arbeitsplatzabbau befürchtet

Dass die kleineren Verluste machen, ist ohnehin eher die Regel als die Ausnahme. Doch diese Krise hat selbst der Nummer 1 schwer zugesetzt. Noch 2019 machte Düsseldorf 63 Millionen Gewinn. Ein gutes Geschäft für die beiden Hauptgesellschafter, die Stadt Düsseldorf und Aer Rianta, die Muttergesellschaft des Dubliner Flughafens. In diesem Jahr wird es aber wohl eher nichts mit dem Geld verdienen. Und für die Zukunft sieht es auch nicht gut aus. Niemand rechnet damit, dass schnell wieder die Passagierzahlen der Vor-Corona-Zeit erreicht werden.

Immerhin ging es für Düsseldorf im August 2020 wieder etwas aufwärts. Da starteten bereits wieder 300 Maschinen am Tag. Normal wären allerdings 700. Der Hauptkunde von Düsseldorf, die Eurowings, bietet seit August wieder rund 50 Ziele ab Düsseldorf an. Im Vorjahr waren es allerdings noch 100. Dieser Einbruch wird vermutlich nur mit Arbeitsplatz-Abbau aufzufangen sein. Düsseldorf hatte bereits im April 2020 angekündigt, dass 600 Mitarbeiter ihren Job verlieren sollen. Die Gewerkschaft Verdi fürchtet, dass von den deutschlandweit 40.000 Jobs hunderte gefährdet sind.

Text/Fotos (c) Michael Westerhoff

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