28. November 2021

In Norwegen sind Kneipen und Restaurants digital

Kellner sucht man häufig vergeblich in norwegischen Restaurants und Kneipen. Von der Bestellung bis zur zum Bezahlen läuft alles digital über das Smartphone. Ein Vorbild für Deutschland?

„Mittwoch geschlossen“, steht an meiner Stamm-Kneipe im Dortmunder Kreuzviertel. „Ich finde einfach keine Leute“, erklärt mir Kellner Felix: „Ich bin heute von nachmittags bis nach Mitternacht allein hier. Das geht auf Dauer nicht.“ Also bleibt die Gasstätte Mittwoch geschlossen. Auch mein Lieblings-Café hatte nach dem Lockdown 2021 an weniger Tagen geöffnet als vor Corona, viele Kneipen und Restaurants haben später als es ihnen möglich war nach dem großen Lockdown 2020/21 wieder eröffnet.

Immer derselbe Grund: Personalmangel. Aushilfen haben sich nach Corona neue Jobs gesucht. Mit angenehmeren Arbeitszeiten und teilweise auch besserer Bezahlung. Wirte und Restaurant-Besitzer kämpfen mit Zulagen um jeden Kellner. Offenbar mit nicht allzu großem Erfolg.

Ein Problem, das es in Norwegen nicht gibt. Da ist Personal ohnehin aufs Nötigste reduziert. Mit der Digitalisierung wurden massenweise Stellen abgebaut. Corona hat das nochmal beschleunigt. 2020 hab ich erstmals über „Norwegen – das digitalste Land der Welt“ berichtet, es ging da bereits um eine volldigitalisierte Kneipe im Hafen von Bergen. Ich konnte über einen QR-Code mit meinem Smartphone die Speisekarte aufrufen, bestellen und auch bezahlen.

Bestellung nur mobil über QR-Code

Mittlerweile haben auch große Ketten wie das „Egon“ mit 40 Filialen in Norwegen das System übernommen. Bestellen, bezahlen. Alles per Smartphone. Menschen werden nur noch benötigt, um Speisen und Getränke zu bringen. Da es in Norwegen schon vorher in vielen Gaststätten üblich war, direkt am Tresen zu bestellen und Getränke abzuholen, war das System da natürlich einfach durchzusetzen. Zumal in Norwegen vom Kleinkind bis zum Senior ohnehin jeder so weit möglich Dinge mit dem Smartphone erledigt.

Schon 2020 habe ich mit einem Mitarbeiter des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA über das System per WhatsApp geplaudert. Ein Zitat ist mir im Hinterkopf geblieben „Wir bleiben analog“, schrieb er mir. Ein Denken, das heute Personalprobleme in der Gastronomie zur Folge hat. Ich weiß: Bei uns sind viele wegen der digitalisierten Services skeptisch. Sie halten den persönlichen Kontakt zwischen Gast und Kellner für erforderlich, damit es gemütlich ist oder damit die Geschäfte laufen. da sind sich Gäste und Wirte weitgehend einig.

Und trotzdem: Ich wette ein Pils, dass sich ähnliche System auch bei uns durchsetzen. Beim aktuellen Personalmangel vermutlich schneller als manch ein Gastronom vermutet.

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