4. Dezember 2021

Wohnen im alten Hertie-Haus in Lünen

Was machen, wenn Kaufhaus-Ketten wie Karstadt, Kaufhof oder Hertie ihre Kaufhäuser schließen? Viele Städte kämpfen mit dem Problem. Die Lösung aus Lünen gilt als vorbildlich.

Es muss ein unfassbarer Trubel gewesen sein. Im Herbst 1969. Als an Lünens zentralem Platz das Kaufhaus Hertie eröffnete. Menschen drängten sich schon vor der Eröffnung an den Eingangstüren. Die Rolltreppen in dem 5-stöckigen Gebäude waren damals noch eine Sensation. zeitweise arbeiteten über 500 Menschen bei Hertie. Die Kaufhaus-Kette war einer der größten Arbeitgeber der Stadt.

Links das alte Hertie-Haus, rechts das Rathaus der Stadt Lünen

Doch Mitte der begann der Niedergang. Verkäuferinnen wurden entlassen. das Haus stand schon damals vor der Schließung. Letztendlich wurden nur die obersten Etagen geschlossen. Zeitweise wurde das Haus in Karstadt Kompakt umbenannt. Der Abstieg war aber nicht mehr aufzuhalten. Die Zahl der Mitarbeiter sank zuerst auf 160, zuletzt sogar auf 48. Im März 2009 schloss das Haus endgültig. 40 Jahre nach der feierlichen Eröffnung mit Luftballons und Bierwagen.

Was aber anfangen mit einem Betonklotz wie diesem mitten am besten Platz der Stadt? Fünf Jahre stand er leer. Ein Schandfleck. So wie in vielen Kommunen, die von Kaufhaus-Schließungen betroffen sind. Das Problem: Mit den dicken Betonklötzen kann kaum jemand etwas anfangen. Nachmieter wie neue Kaufhäuser, die die Fläche nutzen könnten, gibt es nicht. So ziehen ins untere Geschoss häufig Schnäppchenmärkte und die oberen total dunklen Etagen bleiben leer stehen.

Nach fünf Jahren Leerstand übernahm in Lünen die örtliche Baugenossenschaft „Bauverein Lünen“ das ehemalige Kaufhaus. Auch ihr war bewusst: Für Wohnen ist das Gebäude in den oberen Etagen zu dunkel. Also riss das Unternehmen einfach den mittleren Teil aus dem Kaufhaus raus. So entstand ein heller Innenhof, der begrünt werden konnte. Links und rechts in alten Kaufhaus-Teilen entstanden nach dem Umbau Wohnungen mit einer Wohnfläche zwischen 60 und 120 Quadratmetern.

2014 begann der Teil-Abriss. 2017 konnten die ersten Mieter einziehen. In den unteren Etagen sind jetzt u.a. Cafés, Restaurants und eine Bank eingezogen. Die Wohnungen darüber sind vermietet. Das Projekt des Bauvereins Lünen gilt mittlerweile als vorbildlich und wurde mit mehreren Stadtentwicklungs- und Architekturpreisen ausgezeichnet. Der Bauverein hat ein Video vom Umbau aufgenommen, das ich hier verlinkt habe.

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