7. Oktober 2022

Almere – die jüngste Stadt der Niederlande

Wo heute Almere liegt, war früher Meer. Die Stadt gibt es erst seit 1976. Früher lag das heutige Stadtgebiet mitten in der Nordsee.

Tiefgrüne Wiesen, Schilf, tosendes Wasser, auf dem sich Kite-Surfer und Surfer vergnügen, ideal für Radfahrer, Hochhäuser. So lässt sich Almere in wenigen Worten beschreiben. Nichts ungewöhnliches für eine niederländische Stadt. Diese Beschreibung würde auf viele Städte zutreffen. Allerdings haben die im Gegensatz zu Almere häufig eine jahrhundertelange Geschichte vorzuweisen. Nicht so das erst 1976 bezogene Almere.

Innenstadt von Almere

Bis 1957 floss auf dem heutigen Gebiet von Almere noch das Wasser der Nordsee. Zwischen 1957 bis 1968 wurde das Areal im Zuge der Landgewinnung trocken gelegt. 1971 wurden erste Pläne für eine Stadt auf dem „Polderland“ vorgelegt, 1976 zogen die ersten Bewohner ein. Almere liegt jetzt am Markermeer, der kleinen Schwester des bekannteren IJsselmeeres.

Von 0 auf 220.000 Einwohner

Almere ist eine Planstadt, oder negativer ausgedrückt eine Retortenstadt. So wie bei uns in Deutschland Halle-Neustadt, das es erst seit 1964 gibt, oder das erst 1938 für VW gegründete Wolfsburg (das anfangs „Stadt des KdF-Wagens“ hieß). International ist das vom Architekten Oscar Niemeyer entworfene Brasilia vielleicht die bekannteste neue Stadtgründung. Aber auch das kasachische Nur-Sultan (früher: Astana) oder Neu-Delhi sind am Reißbrett entstanden. Almere sollte damals das aus allen Nähten platzende Amsterdam entlasten. 1980 lebten etwa 6.500 Menschen in der Stadt, heute sind es über 220.000 aus 192 Nationen. Almere (zu deutsch: Aal-Gewässser) gehört zu den am schnellsten wachsenden Städten Europas.

Nationalpark Nieuw Land

Es ist durchaus spannend durch eine völlig geschichtslose Stadt zu spazieren. Keine Altstadt. Kaum ein Gebäude älter als aus den 1980er-Jahren. Die meisten noch jünger, denn das, was heute die Innenstadt (Almere-Stad) ist, entstand erst nach 1980. Wer sich für Städtebau und Stadtplanung interessiert, wird hier interessante Ecken finden. In der City gibt es zudem erstaunlich viele Geschäfte. Praktisch alle großen Ketten sind hier vertreten. Leider nur die Ketten. Von daher wirkt der Innenstadtbereich schon etwas künstlich, eher wie ein Shopping-Center als eine lebendige City. Es gibt aber – wie in fast allen niederländischen Städten – einen wunderbar belebten zentralen Platz mit vielen Cafés und Restaurants.

Almere liegt am Wasser

Doch das ist nur die eine Seite von Almere: Ein großer Teil ist grün und liegt am Wasser. Im Nationalpark Nieuw Land. Ein Vogelparadies. Das Gebiet ist auch super für Radtouren geeignet. Inmitten der grünen Landschaft steht die Skulptur „Polderland Garden of Love and Fire“ von Daniel Libeskind, der beispielsweise auch das Jüdische Museum in Berlin gebaut hat (Ein Bild davon unten in der Galerie). Die Verkehrsanbindung an Amsterdam ist sehr gut. Etwa alle 20 Minuten fährt ein Zug in die Hauptstadt. Fahrtzeit: 20 Minuten.

Almere in Bildern

Etwas bekannter wurde Almere 2022 auch in Deutschland. Das lag daran, dass die Niederland die alle zehn Jahre stattfindende Gartenausstellung Floriade ausgerichtet hat. Auf dem Gebiet entstand nach Beendigung der Ausstellung ein neuer Stadtteil mit vorerst knapp 700 Wohnungen. Mehr zur Floriade im Video unten.

Die Floriade im Video

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