20. August 2026

Der spannende Besuch der Seilbahn in Longyearbyen

Die Seilbahn-Zentrale in Longyearbyen

Die auffälligsten Bauwerke in Longyearbyen gehören zur Seilbahn. Die hat allerdings nie Menschen transportiert.

Die Dinge, von denen man nichts erwartet, sind manchmal die spannendsten. Der Besuch der Seilbahn-Station in Longyearbyen gehört dazu. „Was kann man schon in der kleinen Zentrale aufregendes erzählen?“, hab ich mich vor dem Rundgang gefragt. Im Nachhinein muss ich sagen: Das war eine der besten Touren auf Spitzbergen.

Lore in der Seilbahn-Zentrale
Lore in der Seilbahn-Zentrale

Die großen Holz-Masten gehören in Longyearbyen zu den auffälligsten Bauwerken in der Stadt. Rund herum in den Bergen stehen welche. Auffällig ist auch die mit Wellblech verkleidete Seilbahn-Zentrale (norwegisch: Taubanesentralen), die gut sichtbar auf einer kleinen Anhöhe gleich neben dem Dienstgebäude des Gouverneurs. Auch dazu hat der junge Guide Oskar in der Zentrale eine Geschichte.

Sieben norwegische Gruben auf Spitzbergen

Eine Stunde nimmt sich Oskar für mich und zwei andere Gäste Zeit. Sehr anschaulich und spannend erzählt er die Geschichte der Seilbahn-Zentrale, die genauen Funktionen, aber auch die Geschichte des Bergbaus auf Spitzbergen. Wenn ihr wirklich was über die sieben Gruben, die es im norwegischen Teil der Inselgruppe gegeben hat, erfahren will, muss hier hin.

Blick aus der Seilbahnzentrale auf Longyearbyen

Von 1957 bis 1987 war die Seilbahnzentrale in Betrieb, aber bereits ab 1908 gab es Seilbahnen in Longyearbyen. Die führten von den Gruben zum Hafen, in dem die Kohle verladen wurde. Bis auf die jüngsten Gruben, die Bergwerke Nummer 3 und 7, waren alle an die durch die Luft schwebenden Loren angeschlossen.

Von der Zentrale in den Kohleofen

Weil die Linien aus verschiedenen Himmelsrichtungen kamen, brauchte es eine Zentrale, in der die Verkehre koordiniert wurden. Hier landete die komplette Kohle aus den Bergwerken. Eine Linie (siehe Bild unten) führte zum Kohleofen, der ganz in der Nähe des Flughafen lag.

Da es auf Spitzbergen keine Straßen gab, war der Bau der Seilbahnen praktisch. Zudem lagen die Gruben teilweise hoch auf dem Berg. Da wäre kein anderes Transportmittel hingekommen. Erst in den 1980er-Jahren wurde auf LKW umgestellt. Da waren einige Zechen aber bereits geschlossen.

Die Seilbahntrassen prägen bis heute das Bild in Longyearbyen

Der Besuch ist was für alle, die sich für Bergbau oder Industriegeschichte interessieren. Oder für Skifahrer. Die Bahnen auf Spitzbergen wurden bereits ab den 1900er-Jahren von der deutschen Firma Adolf Bleichert gebaut, die später auch die Zugspitzbahn errichtete. Seilbahnen wie diese gab es auch zwischen den Zechen im Ruhrgebiet. Leider sind die aber abgerissen worden. Über die Seilbahntrasse in Lünen findet ihr eine Geschichte im Blog.

Der junge Guide zeigt wie die Loren technisch funktioniert haben. Ähnlich wie bei Grube 3 hatten die Arbeiter auch hier das Problem, dass die Ersatzteil-Beschaffung ein Problem war, weil das Festland so weit entfernt ist. Bevor also etwas weggeschmissen wurde, wurde erst versucht es in der eigenen Werkstatt zu reparieren.

Netz für das einzige Haus auf dem Weg

Die Trassen führen kreuz und quer durch den Ort. Auffällig ist, dass nur ein einziges Haus unter einer Trasse steht. Schließlich konnten von den Loren Kohlestücke runterfallen. Der Gouverneur wollte aber nicht wegziehen. Also spannten die Betreiber dort ein Netz, um das Dach des Dienstgebäudes zu schützen.

Spannend für Skifahrer

Die Besichtigung der Zentrale ist auch für alle, die gern Ski fahren, spannend. Im Grunde entsprechen moderne Sessellifte genau dem Prinzip der Seilbahnen in Longyearbyen. Auch auf der Strecke gab es Zwischenstationen, in denen die Loren in verschiedene Richtungen umgeleitet werden konnten. Wie das funktioniert, erklärt Guide Oskar sehr anschaulich.

Die Seilbahn-Zentrale ist in der Regel von 9 bis 15 Uhr geöffnet. Um 9, 11 und 13 Uhr habt ihr die größte Chance, eine Führung zu bekommen, weil da die Besuchs-Zeitfenster beginnen. Ihr könnt spontan hingehen und die Zentrale besichtigen.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert