E-Auto-Boom in Norwegen

Auf den Straßen fahren kaum noch Benziner

Nirgendwo fahren so viel Elektro-Autos wie in Norwegen. Seit 2020 haben 2/3 aller neu angemeldeten Autos einen Elektroantrieb. Ein Vorbild für die Welt?

Wer in Norwegen unterwegs ist, kann den Eindruck haben, dass die Norweger die komplette Jahresproduktion von Tesla aufgekauft hätten. Jedes zweite Auto scheint ein Tesla Modell X oder ein Model 3. Wenn man in die Zulassungsstatistiken schaut, gibt es aber vier andere Hersteller, die noch mehr E-Autos verkaufen. Der Nissan Leaf stand lange an der Spitze der Zulassungszahlen. 2020 haben ihn aber die viele gescholtenen deutschen Hersteller mit dem VW-eGolf, dem Audi etron und dem BMW i3 überflügelt.

Zwei Drittel E-Autos und Hybride

Zwei Drittel aller Autos haben bereits einen elektrischen Antrieb. 50 Prozent der neu zugelassenen Wagen sind rein elektrische Wagen, rund 15% Plug-In-Hybride. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Anteil der reinen E-Autos gerade mal bei drei Prozent. Und im Gegensatz zu Deutschland sind die norwegischen Elektro-Mobile wirklich sauber. Norwegen erzeugt nämlich 100% seines Stroms aus regenerativen Energie. Hauptsächlich aus Wasserkraft.

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Steuerrabatt für E-Autos

Wie hat die norwegische Regierung ihre Bürger für E-Autos begeistert? Mit Geld! Auf konventionelle Autos wird eine Steuer von bis zu 10.000 Euro fällig, E-Auto-Käufer sparen sich die genauso wie die 25 Prozent Mehrwertsteuer. Die Umsatzsteuer wird ebenfalls nur bei Benzinern und bei Diesel-Wagen fällig. Zudem werden für E-Autos keine KfZ-Steuern fällig. Die Anschaffung eines elektrisch betriebenen Fahrzeugs ist damit wesentlich billiger als die eines Sprit-Motor.

Vorteile bei Maut und Parkplätzen

Zudem mussten Norweger mit E-Auto lange Zeit keine Maut und nichts für Parkplätze bezahlen. Diese Vorteile werden zwar langsam wieder zurückgefahren, wirken aber immer noch. In Städten gibt es außerdem Bus-Spuren, die auch von E-Autos genutzt werden dürfen. Gleichzeitig hat Norwegen das gesamte Land mit Ladesäulen überzogen. In Oslo sind ganze Straßen mit Ladesäulen ausgestattet, sodass auch Stadtbewohner elektrisch fahren können.

Wohnhäuser mit Bootsanlegern vor der Tür

Teures Förderprogramm

Wer das als vorbildlich ansieht, muss etwas tiefer in die Materie eindringen. Das Programm ist nämlich. unfassbar teuer. 300 Millionen Euro kostet es den norwegischen Staat jedes Jahr. Auf die deutsche Bevölkerungszahl hochgerechnet, wären das bei uns fünf Milliarden Euro im Jahr. Norwegen kann sich das leisten, weil es nach Luxemburg, Schweiz und Macau das höchste Bruttosozialprodukt pro Kopf auf der Welt hat. Norwegen ist reich. Zudem besitzt jeder Norweger allein aus dem Staatsfond rechnerisch 180.000 Euro. Dieser Reichtum, der die Mobilitätswende erlaubt, stammt ironischerweise ausgerechnet aus den verbannten fossilen Energien. Norwegen ist eins der größten Erdöl- und Erdgas-Förderländer der Welt.

Schlechte CO2-Bilanz

Und damit zur zweiten Schattenseite: Deutschland hat seine CO2-Emissionen seit dem Referenzjahr 1990 um rund ein Drittel gesenkt. In Norwegen ist dagegen der Schadstoffausstoß in diesem Zeitraum gestiegen. Wegen Öl- und Gasindustrie, aber auch weil die norwegische Familie nicht nur ein E-Auto besitzt, sondern auch ein Bötchen vor der Wohnung oder dem Haus liegen hat. Und das wird weiterhin mit Diesel betrieben.

Text/Foto (c) Michael Westerhoff

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