In Köln fahren sich ICEs regelmäßig lange Verspätungen ein. Warum fährt der Zug nicht einfach nur nach Deutz?
Jedesmal dasselbe: Der ICE aus Richtung Hamburg rollt mit wenigen Minuten Verspätung nach Köln rein. Doch auf der Hohenzollernbrücke ist Schluss. Der Zug steht und steht und steht bis er endlich Einfahrt in den Kölner Hauptbahnhof bekommt. Eine Viertelstunde dauert das. Und Köln ist ein Sackbahnhof. Der Zug muss also wieder dieselbe Strecke durch das Nadelöhr der Brücke zurück. Und fährt sich wieder Verspätung ein.

Häufig verliert man eine halbe Stunde durch das Rein- und Rausfahren in den Hauptbahnhof. Immer wenn mir das passiert, muss ich unweigerlich an Japan denken. Wer dort schon einmal mit dem Schnellzug Shinkansen unterwegs war, kennt die Lösung wie man eine solche Verspätung vermeiden kann.
Vorbild Japan
Der mit unserm ICE vergleichbare Shinkansen hält in der Millionenstadt Osaka nämlich nicht im ohnehin überfüllten Hauptbahnhof, sondern in Shin-Osaka, also in Neu-Osaka, einem Vorort. Von dort sind es drei Metro-Stationen bis zum Hauptbahnhof. Elf Minuten Fahrt. Durchaus zumutbar.
Wobei man sich fragen muss: Welcher Reisende will eigentlich zu einem Hauptbahnhof? Die meisten fahren anschließend sowieso mit der U-Bahn in ihren Wohnort oder ihr Hotel weiter. Ob sie das vom Bahnhof in Osaka oder in Shin-Osaka tun, ist völlig egal. Also warum muss ein Bahnhof zwingend in der Stadtmitte sein?
Deutz statt Hauptbahnhof
Diese japanische Lösung wäre problemlos auf Köln übertragbar. Viele ICEs halten ohnehin im Vorort Deutz. Von dort sind es mit der S-Bahn, die ja dann nicht mehr auf der Hohenzollernbrücke im Zug-Stau stehen müsste, nur zwei Minuten. Die Tram fährt ebenfalls. Zu Fuß ist es von Deutz 1,2 Kilometer, für die man gerade eine Viertelstunde braucht. Warum hält der ICE also nicht einfach in Deutz statt am Hauptbahnhof? Platz wäre reichlich. Es gibt zwölf Gleise…
Dasselbe gilt übrigens auch für Stuttgart
Zeitweise hielt der ICE in Vaihingen (Enz) und Esslingen statt am Stuttgarter Bahnhof. Das hat die Fahrt zwischen Mannheim und München extrem beschleunigt. Von Esslingen sind es gerade mal zehn Minuten mit der Bahn nach Stuttgart. Das wäre nicht nur zumutbar, hätte der Bahn auch Milliarden für den Ausbau von Stuttgart 21 gespart. Der neue Hauptbahnhof wäre unnötig gewesen.